Learning to Drive – Fahrstunden fürs Leben

Tragikomödie USA 2014

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Da vorne bitte abbiegen: Wendy (Patricia Clarkson) und Darwan (Ben Kingsley) sind beide aus dem Gleichgewicht und finden bei gemeinsamen Fahrstunden wieder zurück in die Spur. Wunderschöner Lebenslernfilm von Isabelle Coixet.

Nun gut, ihre Ehe war nicht mehr die leidenschaftlichste. Bei Konflikten verkroch sich Wendy (Patricia Clarkson) in ihre Bücher, schließlich ist sie eine der wichtigsten Literaturkritikerinnen New Yorks. Und irgendwann hat ihr Mann Ted (Jake Weber) sich dann in eine andere verliebt. Nun will er die Scheidung, und Wendy muss sich in ihrem Leben komplett neu orientieren. Kann sie weiter in ihrem Haus bleiben? Wer trinkt abends mit ihr ein Glas Wein? Und wie kommt sie ohne Führerschein raus nach Vermont, wo ihre Tochter Tasha (Grace Gummer, eine der begabten Töchter von Meryl Streep) ein Aussteiger-Jahr auf einer Farm absolviert?  Darwan (Ben Kingsley) lebt seit Jahren ein improvisiertes Leben. Für den Einwanderer aus Indien ist es in New York anders nicht finanzierbar: Nachts fährt er Taxi, tagsüber gibt er Fahrstunden, und zwischendurch kehrt er in die Enge seiner Kellerwohnung nach Queens zurück. Vor vielen Jahren ist Darwan in die USA geflüchtet, nachdem sein Bruder fälschlich als Terrorist erschossen und Darwan von der Polizei gefoltert wurde. Daheim war er Uniprofessor, und würde er den Turban ablegen und den Bart rasieren, hätte er auch hier längst einen besseren Job, und Rassisten würden ihn eher in Ruhe lassen. Doch Darwan will seine Wurzeln nicht verraten, er sehnt sich ohnehin nach seiner Heimat, in die er nie zurückkehren kann. Per Skype versucht ihm seine Schwester eine nette indische Braut einzureden, die seine Einsamkeit lindern würde. Doch passt das Leben in den USA mit einer arrangierten Hochzeit zusammen? In der entscheidenden Nacht fährt Darwan im Taxi Wendy und Ted nach Hause. Er hört mit, wie sie sich trennen. Als diskreter Fahrer ignoriert er das Drama auf der Rückbank, so gut es geht. Doch Wendy hat die Scheidungsunterlagen im Taxi liegenlassen, und Darwan bringt sie ihr am nächsten Morgen an die Haustür. Da sieht sie, dass Darwan auch Fahrstunden gibt. Und entschließt sich: Es ist Zeit, das Lenkrad selbst in die Hand zu nehmen. Und eine beglückende, widerspenstige Freundschaft beginnt. Learning to Drive – Fahrstunden fürs Leben handelt von alltäglichem Unglück, von Verlust und Trennung, und fragt: Wodurch definieren wir uns? Durch den Lebenspartner, die Religion, unsere Gewohnheiten? Die großartige Isabelle Coixet (Elegy oder Die Kunst zu leben) erzählt mit erfrischender Beiläufigkeit von zwei Menschen, die die Orientierung verloren haben und auf den ersten Blick gar nichts miteinander gemeinsam haben. Gelungen ist ihr ein anrührender, vielschichtiger Film voll Witz und Empathie.

Weitere Informationen zum Film

www.skip.at