Back to Black. Entdeckt, geliebt, verehrt, verachtet: Der Londoner Regisseur Asif Kapadia (Senna) packt die tragische Lebensgeschichte der großen Soulsängerin Amy Winehouse in 127 Minuten. Das Dokument eines großen Verlustes.

Stronger than me. Vier Teenagermädchen kichern vor der Wackel-kamera herum, eine hat Geburtstag, es wird „Happy Birthday“ gesungen. Auf einmal hebt sich eine der Stimmen rau von den anderen ab, variiert die Melodie, umschmeichelt den Text. Die anderen sind still geworden, hören aufmerksam zu. Und dann lacht die Sängerin übermütig auf: Alles ist nur ein großer Witz für Amy Winehouse, das Mädchen mit der großen Stimme und den ausdrucksvollen dunklen Augen, die goscherte Nordlondonerin, die immer für einen Spaß zu haben ist. Mit diesen wackeligen Privataufnahmen aus dem Jahr 1997 beginnt Amy – The girl behind the name, die Doku von Asif Kapadia, der vor fünf Jahren mit Senna der verstorbenen Rennfahrerlegende Ayrton Senna eine preisgekrönte Filmbiografie widmete. They tried to make me go to Rehab. Schon ihr erstes Album, Frank, das die Zwanzigjährige 2003 mit beispiellosem Perfektionismus aufnahm, war ein großer Wurf. Spätestens ab Back to Black (2006) war Amy Winehouse dann allgegenwärtig: Ihre schwarzgeschminkten Augen, ihre ikonische Beehive-Frisur, die kunstvoll schlampigen Outfits, vor allem aber ihre unverwechselbare, herzzerreißende Stimme, irgendwie zu mächtig für diese zarte Person mit dem riesigen Lachen und der großen Melancholie in der Kehle. Alle liebten Amy, konnten ihre Songs mitsingen, wollten einen Teil von ihr. Ihre Fans lechzten nach Einblicken in ihr Privatleben und kauften die Magazine, für die Paparazzi ihr in die hintersten Winkel nachkrochen. Unvermeidlich dann die Schmutzwäsche, über die sich alle schrecklich aufregten: Drogenexzesse, abgebrochener Entzug, Partys, Alkohol, Bulimie – wie konnte sie nur! Und dann gab es immer mehr Konzerte, die nicht stattfanden, weil Amy nicht mehr funktionierte, wie sie sollte. But I said no, no, no. Dass die öffentliche Gier nach Amy und ihr viel zu früher Tod mit 27 Jahren ursächlich miteinander zusammenhingen, ist uns allen schon damals, 2011, irgendwie klar gewesen. Asif Kapadia rekonstruiert in seinem Film entlang der vielen autobiografischen Songs der Künst-lerin aus Archivaufnahmen und umfangreichen Interviews mit Freunden, Kollegen und Familienmitgliedern nun das Bild einer unglaublich begabten jungen Frau, die früh erkannt hatte, dass Ruhm das Schlimmste war, was ihr passieren konnte und die daran jämmerlich zugrunde ging. Amy ist ein zärtlicher, trauriger Film über die Tragödie eines Lebens, und ein Denkmal für eine humorvolle, kreative, lebenslustige junge Frau und einzigartige Künstlerin.

Weitere Informationen zum Film

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