Das Märchen der Märchen

Fantasy Frankreich, GB, Italien 2015

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Sexsucht, Tierliebe, jungfräuliche Empfängnis: Im italienischen Barock ging es wild zu – zumindest in Matteo Garrones Verfilmung uralter Märchen aus Neapel.

Es war einmal. Die neapolitanische Geschichtensammlung Pentamerone aus dem 17. Jahrhundert ist eine Fundgrube barocker Abartigkeiten. Ausgerechnet diese Geschichten hat sich Gomorrha-Regisseur Matteo Garrone zum Vorbild genommen für sein neues Werk: Das Märchen der Märchen handelt von den Scherereien, die drei Könige zu bewältigen haben. Kein Kinderkram. Der erste König (John C. Reilly) etwa hat eine Frau (Salma Hayek), die um alles in der Welt ein Kind will. Da macht ein Fremder eine seltsame Weissagung: Wenn die Königin das Herz eines Drachens isst, wird sie ein Kind gebären. Also zieht der König einen Taucheranzug an, schlachtet den nächsten Wasserdrachen (gedreht übrigens in einem sensationell schönen Flusstal in Sizilien) und kommt dabei zu Tode. Die Königin indessen lässt sich das Drachenherz von einer jungfräulichen Magd zubereiten und verschlingt es – und bringt in derselben Nacht ein Albinobaby zur Welt, zugleich mit der Magd. Und beide Babys wachsen zu zwei identen Burschen heran, die einander gar herzlich zugetan sind. Das ist aber noch gar nichts: König zwei (Vincent Cassel) ist sexsüchtig und hat schon fast die gesamte weibliche Hälfte seines Königreichs durch. Als er eines Tages aus einem Häuschen eine liebliche Stimme hört, entbrennt er in neuer heißer Lust – doch die Stimme gehört einer von zwei ausgesprochen hässlichen alten Schwestern, die nicht recht wissen, wie sie mit den Avancen ihres Königs umzugehen haben. Bis sie auf eine List kommen: Die Falten der einen mit Klebstoff notdürftig beseitigen, und dem König nachts beiwohnen. Doch wenn der die alte Dame im Bett entdeckt, hilft nur noch Hexerei … Schockierend? Es geht noch schräger: König drei (Toby Jones) hat eine liebliche Tochter, die endlich aus dem miefigen Schloss raus will. Doch Papa interessiert sich nicht für sie. Denn Papa hat ein neues Spielzeug: einen possierlichen kleinen Floh, den er mit seinem eigenen Blut mästet – bis der heißgeliebte Floh im Herzen und im Schlafgemach des Königs mehr Platz einnimmt als alles andere … … dann leben sie noch heute: Nach der italienischen Innenpolitik (Der Italiener, 2006), der Mafia (Gomorrha, 2008) und den Untiefen des Fernsehwesens (Reality, 2011) ein weiteres Mal eine Steigerung in Sachen Irrwitz von Matteo Garrone: Schauen Sie sich das an, so was haben Sie garantiert noch nie gesehen!

Weitere Informationen zum Film

www.skip.at