Landraub

Dokumentation Österreich 2015

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Kolonialismus 2.0: Damit wir billig Zucker und Palmöl kriegen, wird anderswo Kleinbauern das Land abgeluchst – mit üblen Methoden, aber unterstützt von der Politik. Der Wissenschaftsjournalist und Regisseur Kurt Langbein geht der Sache auf den Grund.

Bittersüß. Seit Generationen hat die Familie der kleinen alten Dame die Felder rund um ihre Hütte bestellt. Vor ein paar Jahren dann sagte die kambodschanische Regierung, das Land werde gebraucht, weil der Herr Senator gerne eine Zuckerfabrik bauen möchte. Uniformierte demolierten mit schweren Baufahrzeugen den Gemüsegarten. Jetzt wächst dort Zuckerrohr. Und in den Fabrikshallen des Herrn Senator türmt sich der Zuckerberg. Auf den ersten Blick wirkte die Idee gut: „Everything But Arms“, also „Alles außer Waffen“ heißt das EU-Förderprogramm, das wirtschaftlich unterentwickelten Ländern erlaubt, Agarerzeugnisse wie Reis, Zucker oder Bananen zollfrei in die EU zu importieren. Dieses Programm ist allerdings schuld, dass Kleinbauern in großem Stil von ihrem Grund vertrieben werden. Mordshunger. Die kambodschanische Reisbäuerin ist nur ein Beispiel von vielen, die in Kurt Langbeins Doku Landraub vorkommen. Das Konzept ist aber immer dasselbe: Der Hunger der nördlichen Länder auf billige Nahrungsmittel macht fruchtbaren Boden in Entwicklungsländern zum begehrten Gut, die lokale Landwirtschaft geht dabei drauf. Lukrativ wurde das Geschäft mit dem Landraub nach der Krise 2007/2008, als an der Börse die Preise für Grundnahrungsmittel Purzelbäume schlugen. Bei einer Investorenkonferenz in London klingt das dann etwa so: „In Afrika ist noch Raum für interessante Entwicklungen.“ Konkret bedeutet das: Kleinen Gemeinden, wo die Dorfvorsteher oft keine Ahnung von internationalem Recht haben, werden Verträge vorgelegt, nach denen sie ihr Land über Jahrzehnte an Konzerne verpachten. Und wenn den Menschen dann Nahrung und Wasser ausgehen, sind sie eben selbst schuld gewesen. „Kolonialismus 2.0“ nennt das der Agrarwissenschaftler Felix Löwenstein.  Raubgier. In Landraub geht Langbein an die Orte, wo dieses Verbrechen stattfindet, nach Rumänien, Kambodscha, Äthiopien, Sierra Leone, Malaysia, und Indonesien – und er geht dorthin, wo jene sitzen, die durch ihre Entscheidungen mitschuldig sind. Landraub ist eine aufrüttelnde, notwendige Doku, die wütend macht. Doch sie macht auch Hoffnung: Noch immer werden 70 Prozent der Nahrungsmittel auf der Welt von Kleinbauern und handwerklichen Fischern erwirtschaftet. Es ist nicht alles verloren.

Weitere Informationen zum Film

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