Marry Me!

Komödie Deutschland 2015

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Die Berlin-Bollywood-Connection: Kissy (Maryam Zaree) ist glücklich single, ihre Oma (Bharati Jaffrey) will aber eine Hochzeit – und ganz Kreuzberg muss bei der Charade mitmachen: hinreißender, autobiografischer Culture Clash von Regisseurin Neelesha Barthel.

Patchwork. Kissy (Maryam Zaree) hat sich das Leben in Berlin Kreuzberg schön eingerichtet: Sie wohnt in einem Haus, das ihrer indischen Oma gehört. Sie hat eine kluge achtjährige Tochter, von ihrem wegen Burnout nicht einsetzbaren, aber netten Ex Robert (Steffen Groth). Sie führt ein hippes Café, gemeinsam mit ihrer kleinen Schwester. Wenn Kissy Sex will, findet sich immer ein One-Night-Stand. Und das Beste: In Kreuzberg ist egal, wen du liebst und woher deine Familie kommt. Kissy ist stolz auf ihre früh verstorbene Mama, die sich gegen das indische Patriarchat aufgelehnt hatte und verstoßen wurde, und interessiert sich keine Sekunde für irgendwelche kulturellen Wurzeln. Bis dann eines Tages Oma Sujata (Bharati Jaffrey) aus dem Taxi kraxelt und Kissy mit einem Redeschwall überfällt: Robert habe sie zu heiraten, die Schande sei unerträglich! Außerdem muss das schäbige Café weg, ein indisches Familienrestaurant her. Und wenn Kissy nicht spurt, verkauft Oma das Haus. Schöner Schein. Kissy bringt es nicht übers Herz, ihr zu sagen, dass sie als Single sehr glücklich und Robert mit der Yogalehrerin (Rebecca Rudolph) von gegenüber zusammen ist. Weil Kissy alle im Haus auch noch zu äußerst freundschaftlich niedrigen Mieten wohnen lässt, sowohl die beiden Frauen aus dem zweiten Stock, die ein Kind miteinander bekommen, als auch das Urberliner Ehepaar, das knapp vor der Arbeitslosigkeit steht, bleibt ihr nichts anderes übrig, als Robert zu überreden, sie tatsächlich zum Schein zu heiraten. Inzwischen hat Omi mit Karim (Fahri Yardim) einen neuen Koch engagiert, der fantastisch indisch kocht, obwohl seine Eltern aus der Türkei kommen. Sogar ein deutscher Hindupriester wird gefunden. Dann aber funkt der Geist von Kissys Mama dazwischen, der neue Koch ist charmanter als erlaubt, Oma erwischt Robert beim erotischen Yoga und trifft sich heimlich mit einem schmierigen Makler … Bollywood. Multikulti-Heiratskomödien gibt es wie Sand am Meer. Marry Me ist allerdings in Sachen Lebensentwürfe erfrischend anders: Dass da eben nicht die Hochzeit das Ziel, der Weg dorthin aber trotzdem mit Bollywood-Einlagen garniert ist, macht Neelesha Barthels Film zu einer wundervoll fröhlichen, übermütigen Familienkomödie mit Tiefgang – und liefert so ganz nebenbei Riesenlust auf Berlin im Sommer.

Weitere Informationen zum Film

www.skip.at