Der letzte Wolf

Abenteuer China, Frankreich 2015

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Bestie und Mensch. Frankreichs Regielegende Jean-Jacques Annaud verfilmt einen chinesischen Bestseller über den Einzug der Kulturrevolution in die Steppen der Mongolei während der späten 1960er – und vom Kippen der Balance zwischen Wölfen und Schafhirten.

Chinas Kulturrevolution war ein Schlachtfest und machte nicht einmal vor den weit im Norden gelegenen Außenbezirken des alten Weltreichs halt. Dass die mongolische Steppe ein Teil von China ist, war vielen Mongolinnen und Mongolen ja kaum bewusst, bevor Mao Zedong Mitte der 60er Jahre Studenten in das rauhe Land im Norden zwangsdeportieren ließ, um den dort lebenden Schafhirten-Nomaden das Lesen und Schreiben der chinesischen Amtssprache beibringen zu lassen. Per Polit-Befehl findet sich Student Chen Zhen (Shaofeng Feng) eines Tages bei einem solchen Nomadenstamm wieder, um einige Jahre als Lehrer tätig zu sein. Als Stadtkind erliegt er sofort dem Charme der archaischen Wildnis, in der sich die wortkargen Schäfer mit den harten Lebensbedingungen arrangiert haben. Vor allem die Wölfe, die ursprünglichen Herrscher in diesen Gebieten, mit denen die Schäfer ein respektvolles Nebeneinander aufrechterhalten, faszinieren ihn zutiefst. Fast übernatürlich erscheint ihm die stürmische Vitalität der Tiere. Aber dann kommt der Befehl aus Peking, die Wölfe als Feinde von Vieh und Mensch auszurotten. Ein verbohrter Apparatschik setzt die Hirten unter Druck, der Order zu folgen. Alle beugen sich, nur Chen Zhen widersetzt sich und rettet heimlich ein Wolfsjunges, das er von nun an versteckt aufzieht. Aber das Gleichgewicht zwischen Mensch und Natur ist zerstört. Die daraus resultierende Katastrophe ist unabwendbar. Als semi-autobiografisch bezeichnet der Autor Jiang Rong seine Geschichte, die 2004 in China tatsächlich zum Bestseller mit vielen Millionen verkaufter Exemplare wurde. Regisseur Jean-Jacques Annaud genoss eigentlich seit seinem Film Sieben Jahre in Tibet Einreiseverbot in China; das wurde aber extra zurückgenommen. Er versammelte ein ganzes Rudel echter mongolischer Wölfe, ließ sie jahrelang trainieren und schaffte schließlich etwas, das im Reich der Mitte eine echte Innovation bedeutet: Großes, millionenschwer produziertes chinesisches Kino mit globalem Anspruch ist in Der letzte Wolf erstmals in der Neuzeit angesiedelt und handelt von Menschen, die heute noch leben. Dazu gibt es selbstreflexiv-kritische Untertöne und eine Botschaft, die durchaus ökologisch zu werten ist. Der Film hat in China mehr als 110 Millionen Dollar eingespielt, und in Frankreich knapp neun. Wahrlich: ein Spektakel!

Weitere Informationen zum Film

www.skip.at