Schwarzkopf

Dokumentation Österreich 2011

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Das ist Chaos, Bruder! Held oder Troublemaker: Der Wiener Rapper Nazar ist keinem egal. Arman T. Riahis filmisches Porträt von "Österreichs Sido“ ist auch ein ungewohnt unverblümter Blick in die Welt der Jugend von heute.

"Ich habe überhaupt keine Hoffnung mehr in die Zukunft unseres Landes, wenn einmal unsere Jugend die Männer von morgen stellt. Unsere Jugend ist unerträglich, unverantwortlich und entsetzlich anzusehen.“ Nein, dieses Zitat stammt nicht von einem rechtslastigen Provinzpolitiker, sondern von keinem Geringeren als dem altgriechischen Denker Aristoteles, Jahrgang 384 vor Christus. Keine Generation kanns der vorigen rechtmachen, das war anscheinend schon immer so. Nur die Argumente ändern sich - und die Werkzeuge der Manipulation. Und so sinds heute die Jugendlichen mit Migrationshintergrund, die prinzipiell an allem Schuld sind - ob sie nun ausgehen (und viel zu laut sind), zuhause bleiben (und islamistische Ideen ausbrüten), ob sie arbeiten (und den Inländern die Jobs wegnehmen) oder nicht (und uns auf der Tasche liegen). Davon, wie das ist, wenn man sowieso immer das Letzte ist, rappt der iranischstämmige Wiener Nazar, dessen Mutter nach dem gewaltsamen Tod seines Vaters in den 1980ern nach Österreich flüchtete. Und Favoriten ist kein Ponyhof "Mit so einer Jugend, wie ich sie in Wien verlebt habe, bekommt man zwangsläufig Probleme“, sagt Nazar (arabisch für "Blick“ oder auch "böser Blick“), 25, mit bürgerlichem Namen Ardalan Afsharder. Was die Kids hier geboten kriegen, sind Drogen und Gewalt statt Bildung und Hoffnung. Doch Nazar hat die Macht des Wortes - 2006 wurde er bei einem HipHop-Konzert in Deutschland entdeckt, heute ist er mit Alben wie Paradox, Artkore oder Fakker (ganz neu) weit über seine Hood hinaus Sprachrohr und Superstar für all die Kids, denen niemand erklären kann, warum sie sich eigentlich integrieren sollen in eine Welt, die so offensichtlich nicht auf sie gewartet hat. Und natürlich zu Hassfigur der rechtslastigen Politik: Spätestens seit seinem rotzig-bösen Anti-Strache-Rap, in dem er die gehässigen und fremdenfeindlichen Wiener-Wahlkampf-Parolen der FPÖ mit ähnlich harter Währung gekontert hatte, eignet sich Nazar auch prima als Hassfigur der Rechten. Der ebenfalls iranischstämmige Wiener Filmemacher Arman T. Riahi (der Bruder von Ein Augenblick Freiheit-Regisseur Arash T. Riahi) widmete dem kontroversiellen Rapper - und seinen Roots, Fans und Freunden - eine Doku, die weder vor großen Worten noch vor kleinen Gesten Angst hat. Ein beeindruckendes Porträt eines starken Typen und seiner Welt, in der es sich doch ein wenig schwieriger lebt als sich Otto Normalverbraucher das vorstellen will, auch wenn sie direkt vor unserer Haustür anfängt. So wurde Nazar während der Dreharbeiten wegen Körperverletzung verhaftet - was besonders bei den Kleinformaten großes Medienecho hervorrief - und wochenlang in U-Haft belassen, bis sich letztendlich seine Unschuld herausstellte. Ein Ereignis, das dann nur ausgewählten Zeitungen überhaupt eine Meldung wert war.

Weitere Informationen zum Film

www.skip.at