Exile Family Movie

Dokumentation Österreich 2006

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Home is where the heart is. Exile Family Movie ist ein Familienfilm, der nichts mit kitschigen Heile-Welt-Klischees, aber dafür alles mit Liebe, Respekt und Weltpolitik zu tun hat.

"Für uns Kinder war das ein einziges, großes Abenteuer." Als Arashs Eltern mit ihren drei Kindern aus dem Iran über die Türkei bis nach Österreich flüchten, ist Arash selbst gerade mal neun Jahre alt. Für seine Eltern, regimekritische Intellektuelle, war es eine Frage von Leben und Tod. Die halbe Verwandtschaft emigrierte damals, einige nach Europa, andere nach Amerika - und die andere Hälfte blieb im Iran. Doch das "Aus den Augen, aus dem Sinn"-Prinzip funktioniert hier nicht. Die Sehnsucht steigt mit der Entfernung, und alle Mittel der modernen Kommunikation werden eingesetzt, um die Familienbande nicht ausleiern zu lassen: Telefon, Briefe, Videoaufnahmen, Internet. Besuche sind rar - aus politischen Gründen. Für die Exilanten ist eine Rückkehr in den Iran nicht mal denkbar, und für die Daheimgebliebenen wäre ein Besuch bei den "abtrünnigen" Verwandten viel zu riskant. Das System kann man nicht knacken, aber man kann seine Mechanismen nützen. Und so steht plötzlich die geniale Idee der Mekka-Reise im Raum. Eine Reise nach Mekka ist für alle Familienmitglieder unverdächtig, egal, woher sie anreisen. Dass ein Moslem aus einem anderen Grund in die heilige Stadt kommt, als zu beten, scheint unvorstellbar. Und so kommt es in einem kargen Hotelzimmer ganz in der Nähe des Heiligtums bald zu Freudenszenen, die weniger auf religiöse Verzückung zurückzuführen sind als vielmehr auf das durch und durch irdische Glück, einander endlich wieder in den Armen halten zu dürfen. Doch was dieses Treffen wirklich so einzigartig macht, ist, wie Arashs Familie mit den vielen tiefen und flachen kulturellen Gräben umgeht, die sich mittlerweile zwischen ihnen allen aufgetan haben. Arashs jüngere Schwester (die unverschleierte Frau auf dem Foto) etwa, die sich ständig anhören muss "Man sieht deine Haare - zieh dir das Kopftuch weiter in die Stirn", und die die hier vorherrschende Einstellung Frauen gegenüber schlicht "oasch" findet - und daneben Arashs Tante, die in ihrem Leben den Iran noch nie verlassen hat und deren einzige Freizeitbeschäftigung darin besteht, im Koran zu lesen. Und dennoch versteht man sich wunderbar, man lacht miteinander und lernt voneinander, und mit jeder Umarmung sehen die Grenzen zwischen Staaten, Kulturen und Überzeugungen gleich viel durchlässiger aus. "Für mich ist es essentiell, dass dieses Aufeinanderprallen von gegensätzlichen Weltanschauungen nicht nur mit Konflikten aufgeladen ist, sondern auch durchaus unterhaltsam, humorvoll und unvorhersehbar wie das Leben selbst sein kann. Eine solche Leichtigkeit im Umgang mit einer eigentlich traurigen Situation war natürlich auch die Überlebensstrategie meiner Familie in den letzten Jahren" kommentiert Arash selbst, dem für Exile Family Movie der Große Preis der heurige Diagonale verliehen wurde. Der sehr coole Soundtrack stammt übrigens von Karuan, einem in Wien ansässigen Musiker mit kurdischen Roots.

Weitere Informationen zum Film

www.skip.at