Ich geh´ nach Hause

Tragikomödie Frankreich, Portugal 2001

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Michel Piccoli, Catherine Deneuve und John Malkovich im neuen Meisterwerk von Manoel de Oliveira, das sich mit Tod, Kunst und Leben auseinandersetzt.

Der große Michel Piccoli brilliert hier als alternder Theaterschauspieler namens Gilbert Valence. Noch einmal läuft er zur Höchstform auf, als er auf der Bühne in Ionescos absurdem Meisterwerk "Der König stirbt" versucht, dem Tod zu entkommen, der auch die mächtigsten Männer der Welt nicht verschont. Doch aus dem Spiel vom Tod wird Ernst, als der Schauspieler nach der Aufführung erfährt, dass seine Frau, seine Tochter und sein Schwiegersohn bei einem Autounfall ums Leben gekommen sind. Sein Enkel Serge (Jean Koeltgen) und seine Liebe zum Theater helfen dem müden, alten Mann, irgendwie weiterzuleben. Als ihm sein Agent eine Rolle in einer Fernsehproduktion anbietet, bei der es in moderner, spekulativer Weise um die Reizthemen Drogen, Sex und Gewalt geht, lehnt Gilbert Valence entrüstet ab. Und dass er dafür eine fette Gage bekommen soll, entrüstet ihn nur noch mehr. Er ist nicht mit Würde alt geworden, um am Ende seinen Namen mit Schmutz und Schund zu ruinieren. Viel mehr interessiert ihn da schon das Angebot eines von John Malkovich dargestellten Regisseurs, der ihn bittet, eine Rolle in seiner Verfilmung von James Joyce´ Jahrhundertroman Ulysses zu übernehmen. Doch der alte Schauspieler vergißt seinen Text und sagt nur: "Ich geh´ nach Hause". Der portugiesische Regisseur Manoel de Oliveira, einer der ältesten noch aktiven Filmemacher der Welt, setzt sich auf seine ureigenste Weise mit der modernen Zeit auseinander. Einerseits mit Paris als Stadt der Lichter und Schatten und Zentrum der komplexen westlichen Zivilisation. Andrerseits mit dem Verlust von Würde. "Heute sind alle Barrieren eingerissen und Anstand gilt als veraltet", sagt Oliveira. "Das Publikum ist durch nichts zu schockieren - anything goes". Und: "Das Oberflächliche gewinnt immer mehr Vorrang über das Wesentliche". (gd)

Weitere Informationen zum Film

www.skip.at