Ein Augenblick Freiheit

Abenteuer, Drama, Tragikomödie Frankreich, Österreich 2008

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Herbergssuche heute. Vier (fast) Erwachsene und drei Kinder auf einer lebensgefährlichen Flucht quer durch Eis und Schnee. Das Risiko ist groß – doch das Ziel ist größer: endlich ein normales, menschenwürdiges Leben in Freiheit.

Durch schneebedeckte unwirtliche Berge im Westen des Irans kämpft sich eine zufälig zusammengewürfelte Reisegruppe: zwei Freunde, die zwei Kinder zu ihren geflohenen Eltern nach Wien bringen wollen, und ein Ehepaar mit ihrem kleinen Sohn. Sie alle fliehen vor einem repressiven Regime, vor jenen, die ihre Verwandten umbrachten, die ihr Leben durch streng kontrollierte Regeln zu einer Tortur machten. Die Unternehmung ist nicht nur wegen der Eiseskälte lebensgefährlich. Sie lassen ihre engsten Verwandten zurück, um illegal mit Hilfe von Schleppern zu fliehen, in der Hoffnung, im Westen ein neues Leben zu beginnen, den Kindern ein freies, normales Leben bieten zu können. Eine Entscheidung, die nicht leichten Herzens gefällt wurde, die alle an die Grenze ihrer Kraft und zumeist auch ihrer Ersparnisse führt. Um Haaresbreite erreichen sie die Türkei, doch die Gefahr ist noch lange nicht zu Ende. Der iranische Geheimdienst verfolgt Flüchtlinge auch hier erbarmungslos, jeder Schritt wird zum Hindernisparcours. Doch der Alltag liefert erste Lichtblicke: Das Ehepaar Lale und Hassan kann sich endlich ohne Angst in der Öffentlichkeit küssen. Einer der beiden jungen Männer verliebt sich. Optimist Manu will nicht auf Deutschland warten, um seiner Familie zuhause good news zu schicken, und lässt seinem Dorf schon jetzt gestellte Polaroids mit Anzug, teu-rem deutschen Auto und Sonnenbrille zukommen. Doch das tägliche Anstellen zermürbt, das gesparte Geld zerrinnt in der Hand, die Hoffnung schwindet – nicht jeder erträgt den unablässigen Druck. Selbstzweifel werden zur Belastung: hätte man nicht doch zuhause bleiben und Widerstand leisten sollen? Ist Flucht nicht auch Verrat? Arash T. Riahi weiß genau, wovon er in seinem Film spricht: Sein Drehbuch basiert auf den Erfahrungen seiner eigenen Familie. So geling ihm ein couragiertes, humorvolles wie drastisches Porträt konkreter menschlicher Schicksale, die hinter Migrationszahlen in Statistiken leicht zu verschwinden drohen. Drei Ratschläge bekam Arash zu Beginn seiner Karriere: kein Film mit Tieren, mit Kindern oder im Ausland.  Alles viel zu schwierig zu koordinieren und zu finanzieren. Gut, dass er sich nicht daran gehalten hat: Seit seiner Fertigstellung diesen Herbst hat der Film bereits zwölf Preise abgeräumt. Der Wiener Filmpreis für den besten Österreichischen Film des Jahres war ein Heimspiel – internationale Jurys unter Film-Profis wie Sir Alan Parker und Schauspiel-Legende Ben Gazzara schlossen sich dem Urteil an. "Das ist ein großes Kino für einen kleinen Perser", meinte Arash T. Riahi bei der ausverkauften VIENNALE-Premiere seines Films auf der Bühne des Wiener Gartenbaukinos. Ein Augenblick Freiheit ist aber auch ein verdammt großer Film.

Weitere Informationen zum Film

www.skip.at