Amour fou

Drama Österreich 2014

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Liebe oder so ähnlich. Der junge Dichter Heinrich von Kleist will mit großer Geste aus dem Leben scheiden und sucht dazu eine Partnerin: selbstmörderischer Aberwitz, in Szene gesetzt von Jessica Hausner (Lourdes).

Schöner sterben. Die Liebe überwindet alles, der junge Dichter Heinrich (Christian Friedel) ist davon überzeugt. Er lebt in Berlin, zur Zeit der Romantik, ärgerlicherweise von den finanziellen Zuwendungen einer Tante. Bei Musikabenden in kleinem Kreise liest er aus seinen Texten, er hat sich einen Namen gemacht. Und doch, alles ist so eitel, so irdisch, und Heinrich wünscht das Höhere. Liegt da nicht Selbstmord nahe, am besten ein Selbstmord aus Liebe? Ein Doppelselbstmord, um gemeinsam die Endlichkeit des Seins zu überwinden? Heinrich schwärmt für seine Cousine Marie, doch als er ihr sein Vorhaben darlegt, wehrt sie lachend ab: Wozu denn Selbstmord, sie hat doch zu tun, und im Übrigen, möchte Heinrich noch Tee? Todessehnsucht. Die junge Henriette (Birte Schnöink) hat eine Tochter, einen viel älteren Mann und eine alte Mutter. Gemeinsam lebt man in einer Wohnung, die Bediensteten sind brav, das Töchterchen spielt hübsch Klavier. Und Henriette singt so gerne. Doch nur, wenn der junge Heinrich zu Besuch kommt, spürt Henriette ein seltenes Gefühl der Erhabenheit. Vielleicht ist es aber auch ihre merkwürdige körperliche Schwäche, der Arzt ist ganz ratlos. Heinrich sieht, wie seine Texte die junge Frau berühren. Und fragt sie, bei einem gesitteten Spaziergang: Möchte sie, Henriette, sich von ihm, Heinrich, vielleicht totschießen lassen? Aus unglücklicher Liebe? Denn er habe das Leben gar so satt, und zu zweit habe der Tod gleich viel mehr Bedeutsamkeit. Unsterblichkeit per Suizid: Jessica Hausner hatte schon jahrelang über die seltsame Konstellation eines Doppelselbstmords aus falsch verstandener Liebe nachgedacht. Dann erfuhr sie von der wahren Geschichte, wie Heinrich von Kleist seinem Leben ein Ende setzen wollte und dafür jemand zweiten suchte: zuerst seinen besten Freund, dann Cousine Marie und schließlich Henriette von Vogel, die Frau eines Bekannten. "Ich fand es so absurd, wie beliebig er die Partnerin für seinen Selbstmord wählt und wie zufällig diese angeblich unsterbliche Liebe ist", sagt Jessica Hausner. In dem Glauben, an einer unheilbaren Krankheit zu leiden, willigte Henriette schließlich ein. "Mein Täubchen, mein Augenstern", schreibt Heinrich von Kleist in seinem Abschiedsgedicht an Henriette. Der Rest ist Literaturgeschichte und jetzt auch Kino: Sorgfältig inszeniert, politisch und gesellschaftlich klug verortet und ironisch gebrochen, hat Hausner eine erstaunliche "romantische Komödie" gedreht, die in Cannes in die Reihe Un certain regard geladen wurde.

Weitere Informationen zum Film

www.skip.at