Das Salz der Erde

Biografie, Dokumentation Brasilien, Frankreich, Italien 2014

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Ein brillanter, ein blutiger Blick auf die Welt: Seit vier Jahrzehnten richtet Sebastião Salgado sein Objektiv bevorzugt dort hin, wo andere schon längst wegschwenken. Wim Wenders hat dem brasilianischen Fotografen nun ein Denkmal aus bewegten Bildern errichtet.

Alles begann mit zwei Bildern. Zwei Bildern, auf die Wim Wenders vor einem Vierteljahrhundert in einer Galerie in Los Angeles stieß - und die ihn nicht mehr los ließen. Jene beiden Fotografien, auf denen in starkem Schwarzweiß einmal Goldminen-Schwerstarbeiter, einmal eine blinde Tuareg-Frau abgelichtet waren, fanden sich also kurz darauf über dem Schreibtisch des deutschen Star-Regisseurs hängend wieder. Auch in den Folgejahren behielt Wenders die Arbeiten des dafür verantwortlichen brasilianischen Fotografen stets im Auge - bis es schließlich zum persönlichen Kontakt mit diesem Sebastião Salgado kam. Jenes erste Treffen war sogleich auch der Ausgangspunkt für diese Doku, die nunmehr den Mann hinter der Kamera selbst ins Visier rückt - und zwar buchstäblich. Zum Einsatz kam hierfür eine Teleprompter-Dunkelkammer: Salgado wurde dafür vor einen Bildschirm mit seinen Fotos gesetzt, während der Fragen beantwortete. "Die Kamera steht hinter einem halbdurchlässigen Spiegel direkt hinter dem Bildschirm und filmt ihn sozusagen durch seine Fotografien hindurch. Dadurch schaut Sebastião gleichzeitig auf seine Fotografien und blickt den Zuschauer direkt an", beschreibt Wenders die angewandte Technik, deren Ergebnisse er für seinen Film sodann mit Impressionen des Maestros bei der Arbeit verschnitt. Eindrucksvoll. Solcherart wird ein erschütterndes Panoptikum der Condition humaine aufgezogen, das zwar auch konzentriert dem Leben eines bestens besessenen Künstlers folgt, eigentlich aber selbst ganz in dessen Mission aufgeht: Das Salz der Erde, das für Salgado die Menschen sind, in berührenden, bedrückenden Tableaus, die nicht davor zurückschrecken, die Auswirkungen von Kriegen und Hungersnöten, Vertreibungen und Krankheiten zu bezeugen, einzufangen - und den Betroffenen dabei doch das einzige zu bewahren, was ihnen oft noch übrig blieb, ihre Würde nämlich. Unbequem. Zwar richtete sich das Objektiv Salgados, nachdem er im Ruanda-Krieg doch zu kräftig ins Herz der menschlichen Finsternis schauen musste, in den vergangenen zwei Dekaden verstärkt auf die ökologische Verfasstheit unseres Planeten - die Resultate sind jedoch nicht weniger wuchtig. Denn, und das macht einem Wenders’ Film bewusst, ganz egal, in welcher Phase man sich dem Werk des heute 70-Jährigen auch annähert: Sein Blick auf die Welt mag ein schmerzhafter sein, aber es ist auch einer, dem man sich nicht entziehen kann und soll.

Weitere Informationen zum Film

www.skip.at