What Happiness Is

Dokumentation Österreich 2012

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Ein schräges Volk, diese Leute in Bhutan: Da fragt doch tatsächlich der Staat nach, was er für seine Bürger tun kann! Dokumentarfilmer Harald Friedl (Aus der Zeit) geht der Sache auf den Grund - und fördert höchst Nachahmenswertes zutage.

Eingezwickt zwischen den Giganten Indien und China, hoch oben im Himalaya-Gebirge, liegt Bhutan: Im Norden ist es begrenzt von eisigen Bergketten, gegen den Süden hin isoliert von dichtem Dschungel. Entsprechend abgeschottet war der kleine Staat über Jahrhunderte: Auf einer Fläche, so groß wie die Schweiz, leben gerade einmal 700.000 Menschen, fast drei Viertel davon als Bauern. Exportschlager sind so ungewöhnliche Dinge wie der sogenannte Raupenpilz, der getrocknet in der chinesischen Medizin als hochwirksames Mittel gilt, und - Glück. Was wie ein Witz klingt, hat in Bhutan Methode: Die Regierung hat sich zum Ziel gesetzt, das Wohlbefinden der Bürger zum Imperativ jeder politischen Überlegung zu machen. Entsprechend ist nicht das Bruttonationalprodukt der wesentliche Wirtschaftsindikator, sondern das so genannte Brutto-Nationalglück. Im Auftrag des Ministeriums für Glück sind Beamte monatelang unterwegs, um im ganzen Land eine statistisch zufällig ausgewählte Gruppe von 7000 Menschen zu interviewen: 249 Fragen und zahlreiche Detailfragen sollen Aufschluss darüber geben, was der Staat tun kann, damit seine Einwohner noch zufriedener werden. Der oberösterreichische Regisseur Harald Friedl erfuhr davon und war sofort Feuer und Flamme: "Ich habe sofort Kontakt mit dem Center for Bhutan Studies aufgenommen, und eine gewisse Tshoki Zangmo hat sich bei mir gemeldet." Tshoki ist eine der Organisatorinnen der großen Befragung, und als Friedl sich entschloss, eine Dokumentation über das ungewöhnliche Thema zu drehen, wurde sie eine seiner Protagonistinnen. What Happiness Is begleitet die Beamtinnen und Beamten wochenlang, bei Wind und Wetter, durch Täler mit reißenden Flüssen und über Bergkämme, auf denen die Lasttiere zu stolpern drohen. Allmählich erschließt sich, mit welcher Ernsthaftigkeit der Fragebogen nach dem Wohlbefinden der Bhutanesen fragt. Moralische, religiöse, soziale, wirtschaftliche und gesundheitliche Aspekte werden abgeklopft, und als westlicher Zuschauer stellt man sich bald die entscheidende Frage: Warum hat das alles noch nie jemand von mir wissen wollen? Interessiert meine Regierung denn gar nicht, wie es mir geht? Friedls Doku ist das eindrucksvolle Porträt eines Landes, das seine außergewöhnliche Geschichte für den Versuch nutzt, jene Fehler zu vermeiden, die anderswo längst passiert sind: Hotelketten und Fast-Food-Läden sind verboten, die Einfuhr von Plastik ist reglementiert, das halbe Land ist Naturschutzgebiet. Bhutan scheint auf einem guten Weg zu sein - und es ist höchste Zeit, dass sich andere Staaten davon inspirieren lassen.

Weitere Informationen zum Film

www.skip.at