Herr Lehmann

Komödie Deutschland 2003

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Der Film nach dem Kultroman. In Leander Haußmanns nostalgischer Pop-Poesie ist Berlin-Kreuzberg ein Planet, der um Herrn Lehmanns Bierglas kreist.

Herr Lehmann (Christian Ulmen) heißt eigentlich Frank, aber da er bald Dreißig wird, sagen alle Herr Lehmann zu ihm. Alle, das sind seine Freunde, seine Bekannten und sämtliche sonstigen Nachtschattengewächse, die den Wegrand jener Zechtouren säumen, die Herr Lehmann sein Leben nennt. Oder seinen Job, ganz wie man´s nimmt, nach der vierten, fünften Flasche Bier läuft ohnehin alles in sich zusammen und wer ein Lebenskünstler wie Herr Lehmann ist, macht im Zustand der Betrunkenheit keinen großen Unterschied zwischen Beruf und Vergnügen. Und nüchtern schon gar nicht. Herr Lehmann jobbt als Barkeeper in einer Kneipe, die so verschmuddelt ist wie seine Jeans, aber das stört nicht, die Kunden sehen auch nicht besser aus und wollen es gar nicht anders haben. Sein bester Freund schmeißt ein Restaurant von der Sorte, wo du zwar bis Fünf am Nachmittag frühstücken kannst, aber wehe du willst vorm Mittagsläuten einen Schweinsbraten haben. Dann kommt die Köchin aus der Küche gestürmt und funkelt dich aus bösen Augen an. Wow, die Köchin! Schöne Köchin Katrin!!! Ist wohl selbst ihr bester Kunde, sagt einer, der vor lauter Bier ins Witzefass gefallen ist, aber Herr Lehmann sieht die Kilos anders. Er hat sich verliebt, Hals über Kopf in die schöne Köchin (Katja Danowski) verschaut, und jetzt muss er ran, um sein Glück werben, schon auch mal ins Schwimmbad gehen, nicht immer nur Quatsch reden und vor allem die untergriffigen Sticheleien seiner Freunde mit dem gelassenen Lächeln eines geläuterten Wirtshausphilosophen ertragen, der das Licht gesehen hat und weiß, wie die wahre Liebe schmeckt. Natürlich hat Herr Lehmann auch sonst noch ziemlichen Stress. Seine Eltern kommen auf Besuch, denen muss er irgendeine Erfolgsgeschichte vorgaukeln, weil die sich sonst doch nur kränken würden. Und dann sollte er noch dringend klären, ob der neue Stammkunde in seiner Absturzhütte wirklich von der Drogenfahndung ist. Das könnte Ärger geben. Apropos Ärger: Die schöne Köchin - schon erzählt? Tja, wenn die nur auf keinen anderen kommt. West-Berlin im Jahr 1989. Die Mauer steht nur noch wenige Tage lang und Kreuzberg ist ein Planet, der in wirren Zirkeln um Herrn Lehmanns Bierglas kreist. Achtziger-Jahre-Nostalgie und Alltag-Überlebensphilosophie. Ein feiner Film über die Liebe, das Leben und den Alkohol - und das Problem, all das miteinander in Einklang zu bringen. So eine Geschichte kann klar nur einer aufschreiben, der damals selbst dabei war. Und so ist es auch. Leander Haußmanns Herr Lehmann beruht auf dem gleichnamigen Kult-Roman von Sven Regener, der Sänger, Texter und Trompeter der Gruppe "Element of Crime" ist und als einer der feinsten Pop-Poeten des deutschen Sprachraums gilt. Für Christian Ulmen dagegen, dem begnadeten Darsteller dieses Wanderers durch die Wirtshauswahrheiten, sieht die Sache anders aus. "Ende der 80er Jahre war ich noch so jung", sagt er, "dass die Dreharbeiten für mich wie ein zwei Monate andauernder Museumsbesuch waren." Einem großen Teil des Publikums wird es wohl ähnlich gehen. Für jeden unter 30 wird diese Kinokarte zum Eintritt ins Popmuseum.

Weitere Informationen zum Film

www.skip.at