Jarhead - Willkommen im Dreck

Drama USA 2005

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Der erste Golfkrieg aus der Sicht eines 20-jährigen US-Soldaten. Oscar-Regisseur Sam Mendes (American Beauty) verfilmt Anthony Swoffords Kultroman mit Jake Gyllenhaal als Scharfschütze mit viel Zeit und wenig Ziel.

"Vier Tage, vier Stunden, eine Minute. Das war mein Krieg. Ich habe meine Waffe nie abgefeuert." Im Sommer 1990 wurde der 20-jährige Anthony Swofford in die Wüste von Saudi Arabien geschickt, um als Scharfschütze bei den Marines im ersten Golfkrieg zu kämpfen. Drei Jahre später stürmten seine Erinnerungen an diese Zeit die amerikanischen Bestsellerlisten. Swofford war ein Buch gelungen, das eindringlich, unverblümt, ehrlich und humorvoll die alltägliche Apathie und den keimenden Wahnsinn in der modernen Kriegsführung aus der Sicht eines einfachen Soldaten beschreibt. Jarhead war das Bild einer Generation geworden. In den offiziellen Propagandaberichten des Pentagons konnte sich das junge Amerika nie wiedererkennen. In den Erinnerungen von Swofford, der von Kids erzählt, die zuhause in den USA noch nicht einmal in einer Bar ein Bier trinken dürfen, aber weit weg in einer fremden Welt alt genug sind, um Menschen zu töten, hier in diesen Geschichten, wo der Krieg in Hauptsache ein angstvolles Warten ist, dessen Eintönigkeit allerhöchstens durch surreale Späße und wüste Alkoholgelage unterbrochen wird, hier sah die Sache anders aus. Hier erkannte man sich wieder. Der britische Oscar-Regisseur Sam Mendes (American Beauty) hatte das Buch auch gelesen. Jarhead sei eine Mischung aus Machismus, Komödie, Surrealismus und trockener Beobachtung, sagte er nach der Lektüre, genau die richtige Grundlage für einen Kriegsfilm, wie ihn die Welt noch nie gesehen hatte: "Wenn wir an den Golfkrieg denken, kommen uns diese Bilder von winzigen Bomben in die Köpfe, die mit perfekter Präzision auf menschenleere Ziele treffen. Aber ein Bodensoldat sieht den Krieg anders. Anthony Swofford hat alles, was wir bisher vom Golfkrieg wussten, einfach auf den Kopf gestellt. Er hat es selbst erlebt. Gerade das macht diesen Film so spannend." Jake Gyllenhaal spielt den jungen Scharfschützen, der einen ganzen Krieg lang nicht zum Schuss kommt, mit beeindruckender Bravour. Aber dass Jarhead in den USA als einer der ganz großen Oscar-Favoriten gilt, mag vor allem an der Wahrheit liegen, die einem diese Bilder unweigerlich auf die Augen drücken. In einer Schlüsselszene muss der Soldat selbst vor die Kamera. Eine TV-Reporterin will wissen, warum sich Swofford zur Armee gemeldet habe. Er gibt zwei, drei Routineantworten, aber die Lady lässt nicht locker. Schließlich sagt er, was Sache ist: "Ich bin 20 Jahre alt, und ich war dumm genug, zu unterschreiben." In den Nachrichten hört man solche Sätze nicht. Da musste erst das Kino kommen.

Weitere Informationen zum Film

www.skip.at