Ab durch die Hecke

Animation USA 2006

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Eines Frühlingsmorgens findet sich ein Klan von Winterschläfern vor einer überdimensionalen Hecke am Rand des altvertrauten Waldstücks wieder. Dahinter liegt die Vorstadt der Menschen - mit all ihren Verlockungen und Gefahren ...

Auf dem Rastplatz am Highway, draußen vor der Stadt, braut sich ein tierisches Drama zusammen. Dem einzelgängerischen Waschbären Richie knurrt der Magen: In den Mistkübeln ist nichts Vernünftiges zu finden, nur leere Verpackungen, aus denen gerade noch ein paar Krümel rieseln - zuviel zum Sterben, zuwenig zum Leben. Eine Gelegenheit, sich richtig vollzufressen, gäbe es: Oben in den Hügeln liegt die Höhle von Vincent, dem Bären. Der hat einen ganzen Haufen von Vorräten, feinstes Junkfood jeder erdenklichen Sorte, ein nahezu komplettes Supermarkt-Sortiment. Richie könnte reinschleichen, vorbei an dem winterschlafenden Bären, und einen ordentlichen Happen abstauben. Allerdings ist Vincent ein ziemlich übler Zeitgenosse. Wenn er dabei aufwacht, kann Richie sein Testament machen. Richie wagt sich in die Höhle des Bären - und findet sich in einem wahrhaftigen Schlaraffenland wieder. Angesichts der kalorienbombigen Reichtümer, die Vincent hinter sich aufgetürmt hat, verfällt der Waschbär geradezu in einen Diebesrausch. Flugs hat er Vincents gesamte Vorräte auf einen kleinen Wagen gepackt. Und just in dem Augenblick, als er sich damit aus dem Staub machen will, wacht Vincent auf. Klar - die Flucht geht schief. Am Ende purzelt der Wagen mit den Vorräten hinunter auf die Straße und wird von einem Truck erfasst, der die Köstlichkeiten zu Staub zermalmt und in alle Windrichtungen zerstreut. Jetzt ist der Hunger Richies kleinstes Problem. Am anderen Ende der Stadt gibt´s auch Probleme, aber ganz anderer Art. In einem lauschigen Waldstück, fern von lärmenden Trucks und gefährlichen Highways, krabbelt eine zusammengwürfelte Großfamilie nach einem kuscheligen Winterschlaf aus ihrem hohlen Baumstumpf. Schildkröte Verne, das sanfte Oberhaupt des Clans, das hyperaktive Eichhörnchen Hammy, Stinktier Stella, Opossum Ozzie und seine Tochter Heather sowie die Stachelschweine Lou und Penny samt ihres dreiköpfigen Nachwuchses machen sich ans gemeinschaftliche Sammeln frischer Vorräte. Da stehen sie plötzlich vor einer unglaublich hohen Hecke, die sich in perfekter Rechteckigkeit nach beiden Seiten hin in die schiere Unendlichkeit erstreckt. Letztes Jahr war die noch nicht da. Und was liegt dahinter? Todesmutig schiebt Verne die Zweige beiseite, zwängt sich hindurch - und steht in einem perfekt designten Vorgarten eines typisch amerikanischen Einfamilienhauses inmitten einer typisch amerikanischen Vorstadtsiedlung: Swimmingpool, Rasensprenger, Gartenaccessoires, alles aufgereiht, als wär´s aus dem Katalog ausgeschnitten. Vor lauter Staunen stolpert Verne und löst damit eine Kettenreaktion aus, die ihn beinahe Kopf und Kragen kostet. Als er es endlich wieder auf die richtige Seite der Hecke geschafft hat, steht für ihn fest: Das ist nichts für seine Familie - er und seine Freunde werden sich in Zukunft fernhalten von dieser fremden Welt. Aber im Baum über ihnen sitzt jemand, der das ganz anders sieht: Richie, der Waschbär. Vincent hat ihn offenbar am Leben gelassen. Aber dass er nun alles daran setzt, Verne und seine Freunde von den unwiderstehlichen Vorzügen menschlicher Siedlungen mit ihren Unmengen von Junkfood zu überzeugen, hat einen tieferen Sinn: Er ist nur davongekommen, weil er dem Bären geschworen hat, die zerstörten Vorräte bis auf den letzten Kartoffelchip wiederzubesorgen. Zu diesem Zweck wird er die ahnungslosen Winterschläfer nun missbrauchen. Die sind auch wirklich leichte Opfer: Einmal in einen Keks voller Zucker, Schokolade und Geschmacksverstärker gebissen, schon vergessen sie alle offensichtlichen Gefahren, die im Garten der ultrazickigen, grenzneurotisch wildtierhassenden Gladys, Präsidentin der Anrainergemeinschaft, auf sie lauern. Nur Verne wittert die Gefahr - aber der hinterhältige Richie versteht es ausgezeichnet, einen Keil zwischen ihn und seine Freunde zu treiben … Aus den angeblichen Verlockungen des American Way of Life schöpft das Team von Ab durch die Hecke ein Feuerwerk an ironischen Pointen, die den durchschnittlichen US-Vorstädter im Vergleich zu den niedlichen Waldbewohnern als das bei weitem abstrusere Tierchen entlarven. Es geht um Freundschaft, Loyalität und die Kraft des kooperativen Verhaltens - ein lehrreicher Film also, aber auch ein äußerst witziger, höchst flüssig erzählter, ein bisschen böser und ganz nebenbei perfekt familientauglicher.

Weitere Informationen zum Film

www.skip.at