Rezept zum Verlieben

Liebesfilm, Tragikomödie USA 2007

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Kommt man mit Haute Cuisine schneller zum Happy End? Vielleicht nicht schneller, aber sicher köstlicher. Catherine Zeta-Jones und Aaron Eckhart im Kochduell der Liebe.

Beim Kochen versteht Kate (Catherine Zeta-Jones) keinen Spaß. Wenn es in den Töpfen und Pfannen brutzelt, schmort und brodelt ist die Küchenchefin eines New Yorker Nobelrestaurants in ihrem Element. Am Fischmarkt ist sie frühmorgens garantiert die Erste, und wenn sie ihren Herd nach vielen hektischen Stunden des Schuftens endlich abdreht, ist es meist schon nach Mitternacht. Kate kocht mit Leidenschaft, absolute Perfektion ist ihr Anspruch, Kompromisse geht sie keine ein. Weder mit dem Personal, demgegenüber sie sich als wahrer Kuchldragoner präsentiert, noch mit vorlauten Gästen. Wer Kates Kochkunst in Frage stellt, landet schnell in Teufels Küche! Am Herd kann ihr eben keiner etwas vormachen. Umso trauriger schaut es in Kates Privatleben aus, das ausschließlich darin besteht, todmüde und vorallem alleine ins Bett zu fallen, bis am nächsten Morgen wieder die Jagd nach dem frischesten Fisch und dem knackigsten Gemüse losgeht. Einziger Fixpunkt außerhalb des Jobs: Gesprächstherapie. Die hat Kate ihrer erbarmungslosen Chefin (Patricia Clarkson) zu verdanken, die sich nichts sehnlicher wünscht, als dass der Therapeut der unberechenbaren Diva Kate endlich die Wutausbrüche austreiben möge, die in schöner Regelmäßigkeit über ­Küchenpersonal und Gäste hereinbrechen. Doch während der Doktor Gefühle und deren Verdrängung zur Sprache bringt, hat Kate nur Rezepte und ­Geschmacksrichtungen im Kopf und ist viel zu verspannt, um sich Gedanken über die ­Verhältnismäßigkeit ihrer Reaktionen zu ­machen. Erst ein furchtbarer Schicksalsschlag holt Kate aus diesem Alltagstrott heraus: Nach dem Unfalltod ihrer Schwester muss sie deren neunjährige Tochter Zoe (Abigail Breslin) bei sich aufnehmen. Kate kümmert sich um die Kleine, auch wenn sie von Kindererziehung so viel versteht wie von Konfliktbewältigung. Doch die traumatisierte Nichte bleibt nicht ­Kates einziger Stolperstein auf dem Weg in ein neues Leben: In ihrer Küche macht sich ein unerträglich unbeschwerter, beim Kochen Opernarien trällernder Aushilfskoch breit, der Kates heiligen Herd in eine Feel-Good-Zone verwandelt und die Sympathien sämtlicher Mitarbeiter im Sturm erobert. Schon allein deswegen ist Nick (Aaron Eckhart) als Kates Stellvertreter gänzlich ungeeignet, findet Kate, und begegnet dem unerwünschten Eindringling gleich mal vorsorglich mit der ihr eigenen Mischung aus Misstrauen und Feindseligkeit. Nick hat eindeutig mehr Spaß beim Kochen, als Kate ertragen kann. Und zu Hause läuft es um nichts besser. Ein Kind und der Tages­ablauf einer ­Köchin passen einfach nicht zusammen. Auch wenn sich Kate bemüht – sie weiß mit Zoe nicht wirklich etwas anzufangen. Und dass die Kleine einfache Spaghetti lieber hat als raffinierten Fisch im Ganzen, bringt sie ­zusätzlich ins Schleudern. Kochen ist schließlich das Einzige, was Kate wirklich kann. ­Zumindest das Einzige, das sie sich zutraut. Doch Nick hat die Stelle in Kates Küche nicht zufällig angenommen. Er verehrt die Meisterköchin und ihre Kreationen und hat sich längst in sie verliebt. Als sich Kate seinem Charme gegenüber als resistent erweist, besinnt sich Nick auf die vielleicht älteste Kochweisheit überhaupt: Liebe geht durch den Magen. Aufgewärmt ist ja bekanntlich nur ein Gulasch gut. Aber wenn Hollywood etwas wirklich ­beherrscht, dann ist es Nachkochen. Das Originalrezept stammt von der Deutschen Sandra Nettelbeck, heißt Bella Martha und verführte 2002 das mehrheitlich europäische Kinopublikum. Regisseur Scott Hicks (Shine) hat die Liebesgeschichte mit der melancho­lischen Note ins hippe New York verlegt und mit ­Catherine Zeta-Jones einem Topstar die Kochschürze umgebunden. Sonst hat er an dem gelungenen Rezept der Filmvorlage aber nicht viel verändert. Man muss schließlich nicht um jeden Preis experimentieren – weder beim ­Kochen noch beim Filmemachen.

Weitere Informationen zum Film

www.skip.at