Gefahr und Begierde

Drama, Krimi, Liebesfilm, Thriller Taiwan, USA 2007

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Große Liebe in großen Bildern. Ang Lee (Tiger & Dragon, Hulk, Brokeback Mountain) erzählt von Eros, Ehre und Emotionen - und wurde dafür in Venedig mit dem Goldenen Löwen belohnt.

Ein Reich der Sinne: Shanghai in den 1940er Jahren ist eine lebendige Großstadt, eine moderne Metropole, voll von bunten Lichtern und mysteriösen Schatten, voller Geräusche, Gerüche - und vor allem Gefahren. Der Zweite Weltkrieg tobt auch hier, die Japaner halten Shanghai besetzt und regieren mit eiserner Hand und eiskalten Herzen. Vor dieser spannungsgeladenen Kulisse entwickelt sich die dramatische Geschichte einer unmöglichen Liebesbeziehung zwischen der schönen Wong Chia Chi (Tang Wei) und dem nicht minder attraktiven Mr. Yee (Tony Leung). Doch das Schicksal hat diese beiden Menschen auf verschiedenen Seiten platziert: Mr. Yee ist ein gewissenloser Verräter, der seit Jahren für die Japaner arbeitet und für den Tod und Verderben vieler seiner chinesischen Landsleute verantwortlich ist. Chia Chi dagegen ist eine hochbegabte Schauspielerin, die ihr Talent bald, angeleitet von ihrem Freund und Kollegen Kuang Yu Min, in den Dienst der politischen Sache stellt: Systematisch wurde die anfangs völlig unschuldige junge Frau von Kuang und seiner Theatergruppe zu einer Art Mata Hari ausgebildet, die den Verräter Yee mit allen Regeln der Kunst verführen, aushorchen, abhängig machen und schließlich töten soll. Und Chia Chi spielt ihre Rolle glänzend - doch geht sie so sehr darin auf, dass schließlich nicht mehr klar ist, wer hier eigentlich wem verfällt. In der Liebe und im Krieg ist alles erlaubt, heißt es - und hier setzen sich zwei Menschen dementsprechend über alle Gesetzmäßigkeiten hinweg, bis sie die Grenzen ihrer eigenen Identitäten verlieren. Obsessionen, Ängste, Betrug und Begehren: Ang Lees Thriller-Drama basiert auf einer Erzählung der chinesischen Schriftstellerin Eileen Chang - einer Love Story von geradezu epischer Größe, ebenso schmerzhaft wie wunderschön. Wieder einmal stellt Lee sein unnachahmliches Talent unter Beweis, die Grausamkeit, den Schmerz, die Frustrationen und ewigen Widersprüche der menschlichen Existenz in Bilder von solch optischer Vollkommenheit umzusetzen, dass man ihre wahre Bedeutung erst langsam erahnt. Und wie auch schon in seinem umstrittenen und hoch gelobten Schwulen-Drama Brokeback Mountain unterschlägt er auch die gelebte Sexualität seiner Protagonisten keineswegs. Tony Leung und Tang Wei sind nicht nur das tragischste, sondern auch das schönste Film-Liebespaar seit langem, und sie dürfen es auch zeigen: ihre Liebesszenen gehören zum wundervollsten, was an großbildgeeigneter Erotik jemals zu sehen war, umgesetzt in Bilder von überwältigender Schönheit.

Weitere Informationen zum Film

www.skip.at