Religulous

Dokumentation USA 2008

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Sie sind streng gläubig und wollen dabei auch bleiben? Dann lassen Sie die Finger von diesem klugen, respektlosen Film: Religionsunterricht einmal anders - von Borat-Regisseur Larry Charles.

Wie bitte? Sie trinken Blut? Das Blut Christi, jeden Sonntag in der Kirche? Und Sie essen von seinem Leib? Und das glauben Sie tatsächlich? Bill Maher, US-Latenight-Talkshowhost, ist fassungslos. Pardon, Sie bauen ernsthaft Roboter, die Ihnen die Zeitung holen und das Licht einschalten, weil Sie am Sabbat keiner Arbeit nachgehen dürfen? Und entschuldigen Sie, sind Sie wirklich überzeugt, dass nach einem potentiellen Märtyrertod im Jenseits zehn Jungfrauen auf Sie warten? Warum nicht elf? Oder sieben? Bei Religulous bleibt keiner verschont, der brav einer der monotheistischen Weltreligionen angehört und sich damit auf der sicheren Seite wähnt. Ob in der Trucker-Kirche, wo Bill Maher für seine bösen Fragen fast verprügelt wird, oder im Jesus-Freizeitpark, wo das Interview mit dem Jesus-Darsteller beinahe schlimm endet, Maher und Kultregisseur Larry Charles (Borat) schrecken vor nichts zurück auf ihrem speziellen Kreuzzug, um die Absurdität der Weltreligionen aufzudecken. Bill Maher, bekennender Agnostiker, Fernsehmoderator und Sohn einer Jüdin und eines Katholiken, sucht Antworten auf die großen Fragen: Warum glauben so viele kluge Menschen an Gott, Allah oder Jahwe? Ist es nicht offensichtlich, dass Religion einfach Humbug ist? Gemeinsam mit einem Kamerateam zieht Maher durch Synagogen, Kirchen und Moscheen, befragt Wissenschaftler und Religionslehrer und landet zwischendurch etwa in einem Schöpfungsmuseum in Kentucky, dessen Schausammlung zeigt, wie ein paar frühzeitliche Kinder zu Füßen eines Dinosauriers spielen. Alles wissenschaftlich untermauert, behauptet der Leiter des Museums. Ach, tatsächlich? Und der dreitägige Aufenthalt von Jonas im Bauch des Walfischs ist auch eine belegbare Tatsache? Mahers Gesprächspartner sind meist nicht recht glücklich mit dem Verlauf, den die Interviews nehmen. Da wäre etwa der ehemals schwule Pfarrer, der Homosexuelle zum rechten Weg bekehren möchte und sich immer wieder in seiner Argumentation verhaspelt, bis er am Ende Bill Maher mit einer besonders innigen Umarmung entlässt. Oder der ehemalige Moslem Jeremiah Cummings, der ganz sicher ist, der wiedergeborene Christus zu sein und damit auch rechtfertigt, Millionen Dollars mit Fernsehauftritten, Büchern und CDs zu verdienen - denn immerhin glauben eine ganze Menge anderer Menschen offenbar auch, dass Cummings der bessere Jesus ist. Wer strenggläubig ist, wird diesen Film vermutlich als Beleidigung empfinden. Aber für alle anderen ist Religulous eine höchst heilsame kalte Dusche, die bei aller Blasphemie höllisch komisch ist. So ist der Film eine respektlose, zugleich aber sehr, sehr witzige Abrechnung mit allem religiösen Fundamentalismus. Maher verurteilt niemanden, er stellt nur bissige Fragen. Es sind die eigenen Aussagen der Religionsvertreter und Gläubigen, die sich damit ins komische Abseits stellen. Und fragen wird man noch dürfen - oder?

Weitere Informationen zum Film

www.skip.at