Naokos Lächeln

Drama, Liebesfilm Japan 2010

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Sex oder Selbstmord? Die bittersüße Liebesgeschichte Naokos Lächeln ist eine Zeitreise in das Tokio der Sixties. Hier stimmt einfach alles: grandiose Bilder, wilde Gefühle und subtile Erotik.

Ein eingeschworenes Trio sind sie, die empfindsame Naoko, ihr Liebster Kizuki und Toru Watanabe, bester Freund und doch fünftes Rad am Wagen. Kizukis Selbstmord zerreißt die jugendliche Idylle über Nacht. Toru bricht auf in ein neues Leben, stürzt sich in Tokio ins Studium. Er vergräbt sich in Büchern, die Demos der vermummten Studenten gegen das Establishment ziehen an ihm samt ihren Bannern vorüber. Der Casanova unter seinen Kollegen will ihn in die Betten diverser Kommilitoninnen locken, allein es gelingt ihm selten. Toru verdient sich stattdessen mit schwerer körperlicher Arbeit seinen Lebensunterhalt in einer Fabrik. Unverhofft steht Naoko eines Tages wieder vor ihm, die Jugendfreundin und Erinnerung an die dunklen Stellen seiner Seele. Naokos 20. Geburtstag wird zu einer denkwürdigen Nacht: Toru schläft mit ihr, doch die Zärtlichkeiten enden in Tränen. Am nächsten Tag zieht Naoko aus ihrer Wohnung aus, ist unerreichbar. Monate später erfährt Toru, dass sie sich in ein Sanatorium aufs Land zurückgezogen hat. Sein Besuch dort endet zwiespältig, ihre seelische Verletzlichkeit und ihre gleichzeitige körperliche Ausstrahlung verwirren ihn. Ganz anders ist Midori, das katzenhafte Mädchen, das kurz später an Torus Mensa-Tisch in sein Leben tritt. Sie trägt verführerisches Rot, hat einen Freund, und ergreift dennoch fordernd die Initiative. Toru ist innerlich zerrissen - er fühlt sich Naoko immer noch zugehörig, will sie beschützen. Bei einem weiteren Besuch in der Anstalt versprich er ihr, zu warten, bis sie für ein Leben draußen und mit ihm bereit ist. Als Midori sich von ihrem Geliebten trennt, um mit ihm zusammen sein zu können, muss sich Toru endgültig seinen widersprüchlichen Gefühlen stellen. Naokos Lächeln ist ein ungewöhnlicher Film über eine Zeit des Aufruhrs und ihrer Protagonisten. Der junge Regisseur Anh Hung Tran wurde für seinen ersten Spielfilm, den Arthouse-Erfolg Der Duft der grünen Papaya bereits 1993 für einen Oscar nominiert, ein Erfolg, der auch Hauptdarstellerin Rinko Kikuchi als beste Nebendarstellerin im vielgerühmten Drama Babel an der Seite von Brad Pitt und Cate Blanchett beschieden war. Trans Verfilmung eines Romans des japanischen Bestsellerautors Haruki Murakami ist ein bis ins Detail sorgfältig stimmungsvoller Filmgenuss, auch der Soundtrack kann sich hören lassen: Neben dem Beatles-Klassiker Norwegian Wood - auch der englische Titel des Films - gibts vier Songs der famosen deutschen Siebziger-Experimental-Rock-Band Can. Deren Track She Brings the Rain könnte das Motto sein für diesen Film, in dem Sex wie das Leben eines 20-Jährigen ist: unvorhersehbar, sinnlich, angsteinflößend, schön, verzweifelt und immer voller Überraschungen.

Weitere Informationen zum Film

www.skip.at