Wie beim ersten Mal

Liebeskomödie USA 2012

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Szenen einer Ehe. Meryl Streep und Tommy Lee Jones spielen ein Paar, das längst nur mehr nebeneinander herlebt - bis sie die Sache in die Hand nimmt: heitere, anrührende Liebesgeschichte mit Wiedererkennungsgarantie.

Was hat sie nun schon wieder? Sie kriegt doch immer alles: den Durchlauferhitzer zu Weihnachten, das Pay-TV-Package zum Hochzeitstag und morgens ein flüchtiges Wangenbussi. Doch Kay (Meryl Streep) will mehr in ihrer Ehe, und zwar mehr von Arnold (Tommy Lee Jones), ihrem geliebten, abwesenden, längst erkalteten Ehemann. Seit Jahren schon haben die beiden getrennte Schlafzimmer. Wenn die erwachsenen Kinder zu Besuch kommen, lächelt Kay mit falscher guter Laune, und Arnold vertieft sich in die Zeitung. Als sie dann abends an seiner Tür klopft, zur Abwechslung im Nachthemd mit dem Spitzendekolletee, schickt er sie weg. Was soll er denn mit einer Frau anfangen, die Erotik will? Er hat Kreuzweh, und außerdem muss er morgen früh raus! Irgendwann reichts Kay. Sie hat seine Kinder aufgezogen, sie hat einen Job in einer Boutique, hat ein riesiges Haus zu pflegen, aber das kann doch nicht alles gewesen sein: Sie will Liebe! In der Stadtbibliothek findet sie diverses an Ratgeberliteratur. Vieles davon befasst sich mit akrobatischen Tipps für die Horizontale, was sie nur sanft zum Erröten bringt. Dann aber stößt sie auf das Buch eines gewissen Herrn Dr. Bernard Feld (Steve Carell): "Sie können die Ehe führen, die Sie wollen." Tatsächlich? Kay ist gefesselt. Arnold hingegen findet den Vorschlag, bei Dr. Feld für 4000 Dollar eine Paartherapie zu machen, schlichtweg irrwitzig. Keine Zeit! Zu teuer! Und überhaupt, was ist denn verkehrt an dieser Ehe? Nur weil er Kay schon lange keine Blumen mehr mitgebracht hat? Doch die hat längst gebucht, von ihrem eigenen Geld. Und nach heftigem Theater kommt Arnold auch tatsächlich mit, doch er ist wild entschlossen, das ganze blöd zu finden: Dieser Dr. Feld zieht doch nur rechtschaffenen Leuten das Geld aus der Tasche! Oder? Es braucht eine Ausnahmeschauspielerin wie die unangefochtene Queen of Hollywood Meryl Streep, um aus der Story einer ganz alltäglichen Ehekrise großes Kino zu machen: Regisseur David Frankel (Der Teufel trägt Prada) inszeniert Streep als leicht nervige, kreuzbrave Hausfrau mit großgeblümten Blusen. Tommy Lee Jones mit Altherrenbauchansatz und Stirnglatze hat sichtlich Spaß an der Rolle des störrischen Grantscherben Arnold. Und Steve Carell überrascht in seiner ersten wirklich ernsthaften Rolle als Therapeut: Wie beim ersten Mal ist eine schmerzhaft wahre, anrührend komische und ungemein warmherzige Komödie übers Miteinander-Altwerden - mit therapeutischer Funktion.

Weitere Informationen zum Film

www.skip.at