Schriftsteller, Schreibblockade, Standortwechsel. So weit, so bekannt? Von wegen. Ethan Hawke muss sich in diesem Spukhaus-Schocker mit düsteren Legenden rumschlagen, die selbst routinieren Horrorfilmgängern heftige Schweißausbrüche bescheren werden.

Der Schriftsteller, das sensible Geschöpf. Allerorten lugt die potentielle nächste Schaffenskrise bös ums Eck, ganz gut imstande, ihn nachhaltig aus der Lebens- und Karrierebahn zu schleudern. Da wirkt ein wohlüberlegter Ortswechsel oft genug wahre Wunder, das lehrt einen nicht zuletzt die Literaturgeschichte der vergangenen Jahrhunderte. Den an einer mehr als nur mittelschweren Kreativkrise knabbernden Schriftsteller Ellison Oswalt (Ethan Hawke) dürfte eine Eingebung recht ähnlicher Art ereilt haben. Also beschließt er, mit seiner Frau (Juliet Rylance) und seinen beiden Kids (Michael Hall D'Addario und Clare Foley) in ein Eigenheim in einer Kleinstadt in Pennsylvania zu übersiedeln. Was der auf True-Crime-Stories, also auf das Festhalten von Geschichten echter, zumeist brutaler Kriminalfälle, spezialisierte Schreiber seiner Familie aber verschweigt, ist ein nicht unwichtiges Detail: Die neue Residenz ist vor wenigen Monaten Schauplatz eines schrecklichen Verbrechens gewesen, das Ellison nun für sein sowieso schon lang hinausgeschobenes Werk rasch, nun ja, ausschlachten möchte. Da trifft es sich dann auch besonders gut, dass er auf dem Dachboden über eine Schachtel mit alten Super-8-Aufnahmen stolpert. Auf den Filmrollen gibt es in der Tat schnell einmal erstaunlich verstörendes Material zu sehen, das den Autor zusehends an die Grenzen seiner geistigen Gesundheit zu führen droht. Vom Schreiben ist somit schon bald keine Rede mehr. Weil die Horrorfilmgeschichte für solche Szenarien, wie spätestens seit Shining bekannt ist, nun aber ganz andere Auflösungen kennt als die reale Literaturgeschichte, jazzt sich der psychologische Horror alsbald zu unmissverständlichen Herzstillstehmomenten hoch, die von unheimlichen Geräuschen über heidnische Symbole an Türen und Wänden bis hin zum Auftauchen einer finsteren Gestalt mit weißer Maske reichen. Da haben die Ereignisse ohnehin längst ihren unheilvollen Lauf genommen ... Wohl nicht zuletzt wegen seines prominenten Hauptdarstellers Ethan Hawke, der hier für ihn eher ungewohntes Terrain bespielt, geriet Sinister in den USA zu einem der großen Horrorfilm-Hits der aktuellen Saison. Dabei sind es aber insbesonders die verstörende wie wendungsreiche Story und ihre schonungslos schockende Umsetzung durch Genre-Könner Scott Derrickson (Der Exorzismus von Emily Rose), die diesen Spuk weitaus heller - oder je nachdem: sinisterer - strahlen lassen als das Gros der Haunted-House-Film-Konkurrenz.

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