Die Teufel tanzen wieder - und sie tun es ohne jedes Erbarmen: Das grimmige und hyperbrutale Remake von Sam Raimis (Spider-Man) wegweisendem Blut-und-Beuschel-Klassiker ist der härteste Film dieses Jahres.

Es erwischt einfach alle. Ganz egal, ob Texas Chainsaw Massacre oder Halloween, ob Freitag der 13. oder The Hills Have Eyes: Von den nicht wenigen Ende der 70er/Anfang der 80er entstandenen Klassikern des Horrorkinos bekam in den vergangenen zehn Jahren so gut wie jeder seine Remake-Behandlung - mal war sie gelungen, mal eher nicht. Nur um einen Film wurde bislang ein großer Bogen gemacht: The Evil Dead, bei uns besser bekannt als Tanz der Teufel. Der Hüttenhorror, der einst den Ruhm von Regisseur Sam Raimi begründete, galt als letzte (un)heilige Kuh des Genres. Nicht zuletzt deshalb, weil sich Raimi, durch Spider-Man und Co. inzwischen längst ein Blockbuster-Garant, und seine Blutsbrüder Bruce "Ash" Campbell (Held) und Rob Tapert (Geld) stets gegen eine Neuverfilmung verwehrt hatten. Bis jetzt. Blutige Kabinenpredigt. Die längst zur Genre-Blaupause geronnene Geschichte der Mutter aller cabins in the woods wurde für das Remake von der Oscar-prämierten Autorin Diablo Cody nun mit Bedacht adaptiert: Die suchtkranke Mia (Jane Levy) zieht sich mit ihrem Bruder David (Shiloh Fernandez) sowie ihren Freunden Olivia (Jessica Lucas), Eric (Lou Taylor Pucci) und Natalie (Elisabeth Blackmore) in eine entlegene Waldhütte zurück, um sich dort einem kalten Entzug zu stellen. Selbiger findet jedoch unter erschwerten Bedingungen statt, da sich die abgeranzte Hütte als wenig einladend präsentiert: es stinkt erbärmlich, von der Kellerdecke baumeln Katzenkadaver - und dann taucht auch noch ein Buch mit Menschenhaut-Umschlag auf, in dem mysteriöse Beschwörungsformeln stehen. Als Eric selbige nach und nach aufzusagen beginnt, weckt er damit das im Walde schlummernde Böse, das der Bande bald ans Eingemachte möchte: Als ersten Wirt haben sich die Dämonen die labile Mia ausgesucht, die das Unheil auch gleich munter weiterverbreitet. Jetzt helfen nur noch grobe Geschütze und scharfe Klingen ... Unfassbar, aber wahr: Die ungeschnittene Fassung des 1981er The Evil Dead steht bis heute auf dem deutschen Zensur-Index. Fast noch unfassbarer: Gegen dieses Remake wirkt das stets auch ein wenig alberne und cartoonhaft überhöhte Original nahezu handzahm. Der von Raimi bestellte Regie-Newcomer Fede Alvarez lässt - nahezu ohne CGI, dafür mit gefühlten Ozeanen von Kunstblut - ein irrwitziges und hyperhartes Inferno des Schreckens vom Stapel, das selbst hartgesottenste Freunde expliziten Horrors mit vorgehaltener Hand im Kinositz bibbern lassen wird. Anders gesagt: Wer immer schon wissen wollte, wie es aussieht, wenn die Floskeln "Mit gespaltener Zunge sprechen" und "Besser Arm ab als arm dran" in die Realität umgesetzt werden, der findet hier seine blutgetränkte Beglückung.

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