The Wolf of Wall Street

Biografie, Tragikomödie USA 2013

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Dress for excess: Wenn Maestro Martin Scorsese dem Moloch Börsenbusiness ein schwarzhumoriges Sittengemälde widmet, können einem dabei schon mal durch die Luft segelnde Zwerge entgegenkommen. Leonardo DiCaprio und Jonah Hill drehen als Zeremonienmeister der Geldscheinwelt inzwischen kräftig am Rad.

"Zieh deinen Kunden das Geld aus der Tasche - und lass es in deine verschwinden!" Es ist ein so einfacher wie niederträchtiger Ratschlag, den der aufstrebende Broker Jordan Belfort (Leonardo DiCaprio) Anfang der Neunziger von seinem Mentor (Matthew McConaughey) mit auf den Weg gegeben bekommt. Und der ehrgeizige Jungspund aus einfachen Verhältnissen beherzigt ihn: In einer aufgelassenen Autowerkstätte gründet er seine eigene Maklerfirma, die sich binnen kürzester Zeit als eine der umsatzträchtigsten ihrer Branche etablieren kann. Der rasch mit allen unsauberen Wassern gewaschene Belfort versteht es nämlich, noch die winzigsten Schlupflöcher der US-Wertpapiergesetze dafür zu nutzen, um mit windschiefen Spekulationsgeschäften Anleger abzuzocken. Der selbsternannte Wolf der Wall Street macht so dermaßen viel Geld, bisweilen sind es zweistellige Millionenbeträge innerhalb weniger Minuten, dass er und seine rechte Hand Donnie Azoff (Jonah Hill) bald gar nicht mehr wissen, wie sie es ausgeben sollen. Neben dem wortwörtlichen Verpulvern von mannshohen Drogenbergen während ausdauernder Party- und Orgien-Marathons bleibt immer noch genug übrig, um sich hier mal einen Sportwagen oder einen Jet, dort mal eine Yacht oder einen Helikopter anzuschaffen. Und der ständig offene Geldhahn erlaubt selbstverständlich auch die Pflege extravaganter Fun-Sport-Hobbies: äußerst hilfreich, wenn man vorhat, Schimpansen in Windelhosen durch die Bürogänge skaten zu lassen und mit Zwergen Zielweitwerfen zu spielen. Dass dieser Lifestyle der "Reichen und Gestörten" auf äußerst wackligem Fundament steht, scheint den sukzessive der Egomanie anheim fallenden Belfort kaum zu jucken - selbst vor Verwicklungen mit der Unterwelt schreckt er nicht zurück. Dabei sitzt ihm längst die Justiz im Nacken, die en detail erfahren möchte, wie (un-)rechtens denn das mit seinen hochspekulativen Wertpapiertransaktionen nun wirklich gelaufen ist. Der abgefeimte Hollodri schafft es jedoch immer wieder, seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen ... Wolfzeit. Dass die unfassbare Story Belforts nicht nur nicht ausgedacht ist, sondern sich in den Nineties sogar in ihren schauerlichsten Details genau so ereignet hat, dürfte seit dem großen Börsencrash von 2008 kaum noch jemanden wundern. Die Wall Street war eben immer schon auch ein Tummelplatz für dubiose Gestalten, die Schindluder mit fremdem Geld treiben. Glücklicherweise ist all der damit durch die Luft flatternde Irrsinn aber auch edelstes Filmfutter - was jeder bestätigen kann, der Gordon Gekko im größenwahnsinnigen Übermut von der Gutheit der Gier dozieren gesehen hat. Dennoch bedurfte es bei aller Güte der Geschichte noch des magischen Händchens eines wahren Könners, der ihr den gewissen Extra-Punch einzuimpfen imstande war. Auftritt Martin Scorsese. "Niemand sonst konnte die Rohheit und die Härte und speziell den Humor einbringen, die nötig sind, um die Aufgekratztheit dieser jungen Punks zu vermitteln", streute DiCaprio seinem Langzeitkollaborateur in seiner Funktion als Produzent jüngst Rosen. Man kann und möchte dem wieder groß aufspielenden Hauptdarsteller nicht widersprechen: Regie-Ikone Marty weiß dem ohnehin schon meisterlichen, mit bitterbösem Schmäh durchzogenen Drehbuch von The Sopranos-Edelfeder und Boardwalk Empire-Erfinder Terence Winter in seiner unnahmlichen Art nochmals eine ganz spezielle Vehemenz zu verleihen. Wie Scorseses bestechendste Arbeiten - von Taxi Driver über GoodFellas bis Aviator - fasziniert auch The Wolf of Wall Street als rauschhafte Studie über einen Mann, der vollständig in seinen Obsessionen aufgeht, aufgehen muss. Ohne Maß und Ziel - oder Angst vorm Untergang.

Weitere Informationen zum Film

www.skip.at