Dracula Untold

Action, Fantasy USA 2014

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In the Blut for Love. Dracula ist zurück im Kino, doch ganz anders als man ihn kennt: Als Krieger und Ehrenmann muss er einen Pakt mit dem Bösen eingehen, um seine Liebsten zu schützen - mit den bekannt monströsen Folgen ... Fantasy-Action-Feuerwerk mit Luke Evans, Sarah Gadon und Dominic Cooper.

Godfather aller Vampire! Man hat sich weiß Gott (und weiß Teufel erst recht) schon in so mancher Film- und Fernseh-Inkarnation vor ihm schaudern dürfen, jenem berühmt-berüchtigten Adeligen mit dem außergewöhnlich gut ausgeprägten Blutdurst, den der irische Autor Bram Stoker 1897 als eine der maßgeblichsten Figuren der Horrorliteratur zu prägen wusste. Je nach Kontext und Ausrichtung durfte sich dieser Dracula als entstelltes Monster, eleganter Gentleman oder ewiger Romantiker blutlustvoll an Frauenhälse hängen - wovon man ihn mal mehr, mal weniger erfolgreich mit Kruzifix und Knoblauch abhalten wollte. Kino-Großmeister wie Murnau, Herzog oder Coppola haben sich an der Legende abgearbeitet, als besonders mythenstiftend gelten die Darstellungen von Bela Lugosi, Christopher Lee, Klaus Kinski und ... Leslie Nielsen (naja, fast). Zuletzt gab es Dracula in einer skurrilen Adaption von Giallo-Horror-Ikone Dario Argento und in einer rasch abgesetzten TV-Serie mit Jonathan Rhys Meyers zu sehen. Dracula 2.0. Gut über hundert Spielfilme dürften dabei in ähnlich vielen Jahren zusammengekommen sein - nur so, wie in dieser üppig budgetierten Hollywood-Wiederbelebung, hat man den Mythos sicher noch nie aufbereitet. Diese trägt nicht von ungefähr den Titel Dracula Untold (bzw. als Arbeitstitel auch nicht minder passend Dracula Year Zero), dreht sie die Geschichte des Fürsten der Dunkelheit doch gleichsam an ihren Ursprung zurück und ist dabei lose an real existierenden Personen und Gegebenheiten aufgehängt: Im 15. Jahrhundert sieht der Adelige Vlad Tepes (Luke Evans) sich sowie Frau (Sarah Gadon) und Sohn (Art Parkinson) von Sultan Mehmed II. (Dominic Cooper) bedroht, der im Rahmen seiner Eroberungsfeldzüge mit 100.000 Kriegern des Osmanischen Reiches in Vlads Heimat einzumarschieren trachtet. Schließlich fordert der ruchlose Reitersmann tausend Buben des okkupierten Landes, die sodann als Kindersoldaten in seine Armee eingegliedert werden sollen. Da dazu auch sein Spross zählen soll, sieht sich Vlad gezwungen, alles auf eine Karte zu setzen - respektive sein Leben und Seelenheil aufs Spiel: Er schließt einen Pakt mit einer dunklen, mystischen Entität (Charles Dance), die ihn zum ersten Vampir der Menschheit werden lässt. Solcherart auch mit neuen Superkräften (Fledermausflugstaffel!) ausgestattet, geht es nun daran, Mehmed das Fürchten zu lehren. Doch die Nebenwirkungen sind nicht zu verachten: Nach und nach beginnt Vlads eigene schleichende Mutation zum Monster, das auf immer und ewig dazu verdammt sein wird, sich am Lebenssaft der Menschen laben zu müssen ... Wie alles begann. Nicht allein der ungewohnte, an diverse Comic-Adaptionen der jüngeren Vergangenheit gemahnende Origin-Story-Ansatz macht Dracula Untold zu einem Klassiker-Reboot der unterhaltsameren Sorte. Auch ästhetisch und konzeptionell findet Langfilm-Regie-Novize Gary Shore im Blutsauger-Genre so bislang kaum beschrittene Wege. Nicht zwangsläufig ein Horrorfilm, wohl noch nicht mal ein Vampir-Flick im herkömmlichen Sinn möchte diese Dracula-Neudeutung sein, vielmehr schon ein mit fürstlichem Fantasy-Feuerwerk sowie homöopathisch dosierten historischen Referenzen aufgestocktes, adrenalingestähltes Schlachtengemälde. Ein ungezügelter Bastard aus Game of Thrones und Braveheart gewissermaßen, bei dem ein ewigmoderner Antiheld, zur Hälfte schwertschwingender Krieger wie Monster in Familienmenschengestalt, den Kern des Erzählten bildet, und eben nicht - wie bislang bewährt - ein fahler fieser Blutsauger in feuchten alten Burggemäuern. Ein frischer und gewagter Ansatz.

Weitere Informationen zum Film

www.skip.at