Macondo

Drama Österreich 2014

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Wir Kinder aus Macondo. Zwischen Freiheit und Verantwortung und zwischen zwei Kulturen wächst der 11-jährige Ramasan heran: einfühlsame Coming-of-Age-Geschichte vom Rand von Wien und Spielfilmdebüt von Sudabeh Mortezai (Im Bazar der Geschlechter)

Frechdachs. Er ist die coolste Socke der ganzen Gegend: Der 11-jährige Ramasan (Ramasan Minkailov) ist klein, drahtig und steckt voller dummer Ideen. Er wächst mit seiner Mutter Aminat (Kheda Gazieva) und seinen beiden kleinen Schwestern in der Flüchtlingssiedlung Macondo am Rande von Wien auf, wo seit sechzig Jahren Flüchtlinge aus aller Herren Länder nach ihrer Ankunft eine erste neue Heimat finden, durch einen Bauzaun getrennt von den alteingesessenen Österreichern. Ramasan geht in die Schule, und nachmittags macht er mit seinen Freunden die Gegend unsicher. Noch läuft das Asylverfahren der tschetschenischen Familie, es bräuchte einen Totenschein für den angeblich gegen die Russen gefallenen Vater, den Ramasan wie einen Heiligen verehrt. Großer Bruder. Inzwischen versucht er, den Mann in der Familie zu ersetzen: Trotz ständiger Verlockungen, Unsinn anzustellen, ist er sich seiner Verantwortung für die kleinen Schwestern bewusst, erzieht und schimpft und liebt sie heiß. Und er übernimmt für Mama die Vermittlerrolle zwischen Behörden und der segregierten Welt der Siedlung, ob in der Schule, bei der Polizei oder beim Arzt. Die Karten ordnen sich völlig neu, als eines Tages Isa (Aslan Elbiev) auftaucht, der sich als Kriegskamerad des Vaters vorstellt, Ramasan ein Foto und Papas Uhr zum Beweis mitbringt, und zögerlich die Freundschaft mit dem Buben sucht. Für Ramasan ergibt sich aus dieser Beziehung nun endlich die Möglichkeit einer anderen, greifbaren Vaterfigur. Isa ist keiner, der herumbrüllt, sondern er kann Dinge reparieren, eine Fähigkeit, die Ramasan unendlich fasziniert. Immer wichtiger wird Isa im Leben der kleinen Familie, auch für Mama. Doch als Ramasan zu verstehen beginnt, dass sein heldenhaftes Vaterbild in Wirklichkeit völlig verkehrt ist, bricht eine Welt zusammen … Parallelwelt. Macondo ist eine nuancierte, spannungsvolle Erzählung um einen Buben, der früh erwachsen werden muss - immer auf Augenhöhe mit dem gewitzten 11-jährigen, der um die Idealvorstellung seines eigenen Lebens ringt, und dabei wieder und wieder in Konflikt mit der Realität gerät. Es ist das vielversprechende Spielfilmdebüt der österreichischen Regisseurin Sudabeh Mortezai (Im Bazar der Geschlechter) und war 2014 im Wettbewerb der Berlinale vertreten.

Weitere Informationen zum Film

www.skip.at