Die G8 haben sich auf ihrem Gipfel in Nordirland darauf geeinigt, ein gemeinsames Regelwerk für den Kampf gegen Steuerflucht zu entwickeln und das Freihandelskommen zwischen der EU und den USA voranzutreiben. Auch in der Syrien-Frage näherten sich die Staaten an und fordern nun eine Übergangsregierung. Einige Kommentatoren bewerten diese Ergebnisse als Erfolg. Andere bemängeln, dass die G8 ohne China ohnehin nichts bewirken können.
Mit Artikeln aus folgenden Publikationen:
Viel herumgekommen ist auf dem G8-Treffen nicht, vor allem nicht in der Syrien-Frage, kritisiert die konservative Tageszeitung The Daily Telegraph: "Vielleicht liegt das daran, dass die Gipfelteilnehmer schon vorher wussten, dass die Unnachgiebigkeit Russlands und das ungute Gefühl der eigenen Wähler jegliches drastische Einschreiten in Syrien verhindern würden. Vielleicht ist es aber auch so, dass ein Gipfel, auf dem zwar der reizbare Wladimir Putin und zwei EU-Vertreter [Kommissionspräsident José Manuel Barroso und Ratspräsident Herman Van Rompuy] dabei sind, aber nicht die aufsteigende Weltmacht China, eine zunehmend unpassende Kommandobrücke für 'global governance' ist. Man fühlt sich also versucht zu sagen, dass die G8 vor allem dafür da sind, damit die Mächtigen der Welt sich gegenseitig ihre Egos streicheln können."
Die Vorschläge der G8 im Kampf gegen die Steuerflucht sind vernünftig, lobt die linksliberale Tageszeitung The Irish Times und hofft auf verbindliche neue Regeln: "Mit ihrer Erklärung zu den Themen Steuern und Transparenz beschreiten die G8 einen neuen Weg. Es ist der Versuch, das Kräftegleichgewicht wiederherzustellen zwischen multinationalen Konzernen, die Steuern vermeiden, auf der einen Seite und nationalen Steuerbehörden sowie sich entwickelnde Weltregierungen auf der anderen Seite. Man kann nicht Transaktionen oder Waren besteuern, von denen man nichts weiß. Die G8 haben einige vernünftige Regeln vorgelegt, gegen die nichts auszusetzen ist und die helfen könnten. Aber ohne die verbindliche Gültigkeit von Verträgen oder internationalem Recht, ohne Institutionen wie jene der EU, die die Einhaltung von Regeln erzwingen können, sind solche Prinzipien im besten Fall lobenswert, aber eben rein Bemühungen."
Noch immer viel zu zögerlich sind die Absichtserklärungen der G8 zum gemeinsamen Kampf gegen die Steuerflucht, findet die Regionalzeitung La République des Pyrenées: "Es gibt nun zwar eine einstimmige Entscheidung über den Austausch von Steuerdaten zwischen Behörden, doch sie gilt noch nicht für den Austausch von Bankdaten. Dies wäre aber notwendig, will man die Kreisläufe des schmutzigen Geldes wirklich nachzuvollziehen. Bis zu einer weltweiten Steuerregulierung ist es noch ein weiter Weg, und diese Verzögerungen sind höchst ärgerlich, vor allem, wenn man daran denkt, welche Summen den nationalen Steuerbehörden in der Zwischenzeit entgehen. Doch zumindest ist das Versprechen gemacht, das hier zukünftig die Schrauben angezogen werden. Das setzt die Welt der Steueroptimierer, die immer auf der Suche nach noch passenderen Schlupflöchern sind, gehörig unter Druck."
Die transatlantische Freihandelszone hat den Segen der G8 erhalten, jubelt die liberale Wirtschafszeitung Il Sole 24 Ore nach Ende des Gipfels: "Die Wende von Enniskillen verspricht endlich einen Neuanfang. Sie stellt die Weichen für eine neue 'global governance', die sich organischer und geordneter gestalten könnte und in der der Westen wieder im Zentrum steht. Niemand hätte sich träumen lassen, dass der Anstoß ausgerechnet von der Regierung Obama kommen würde, die sich in ihrer ersten Amtszeit durch Desinteresse an Europa auszeichnete und ihr Glück im strategischen Flirt mit China suchte. Doch das war ein unvorsichtiger Versuch, der an zu vielen Interessenkonflikten und letztendlich an der Konkurrenz zu Peking scheiterte. So wird Europa vom melancholischen Aschenputtel wieder zur Prinzessin, die an den Altar einer Heirat geführt wird, die finanziell vorteilhaft für beide Partner ist."