
Tatsächlich erweisen sich die Österreicher im internationalen Vergleich als besonders patriotisch. Bei einer weltweiten Umfrage des Meinungsforschungsinstituts der University of Chicago zum Nationalstolz aus den Jahren 2003 und 2004 landete Österreich auf dem vierten Platz, geschlagen nur von den USA, Venezuela und Australien. Besonders der "allgemeine Patriotismus", der sich nicht auf besondere Leistungen bezieht, ist in Österreich stark ausgeprägt. Acht Jahre zuvor lag Österreich sogar auf dem zweiten Platz gleich hinter den USA - und beim allgemeinen Stolz auf Platz eins.
Jetzt bietet die angeheizte EURO-Euphorie eine hervorragende Gelegenheit, diesem ohne Leistungsstolz letztlich selbstlosen Patriotismus nach außen zu tragen. Kaum wurden die Autofahnen angeboten, steckten sie auf den Vehikeln.
Wobei beim Anheizen dieses Trends allerdings auch ganz besondere Heizer am Werk waren. Denn wer hätte vor einem Monat noch von sich aus das Bedürfnis gehabt, sein Auto patriotisch zu beflaggen? Doch dann erschien am 11. Mai in der Kronen Zeitung die Schlagzeile: "EURO-Fahnen auf Autos verboten!" Das österreichische Fahnen-Verbot sorge sogar "in ganz Europa für große Aufregung". In Deutschland empöre man sich nämlich bereits über die "EUROkratie im Alpenland", eröffnete die Krone ihren Lesern. Schuld am Fahnen-Verbot sei die "österreichische Bürokratie".
Ein Fahnen-Verbot wegen Büro- und EUROkratie - den derart in ihren patriotischen Grundfesten erschütterten Lesern eilte prompt zwei Tage später Minister Werner Faymann zu Hilfe: "Faymann hebt Fahnenverbot auf: Fans dürfen Autos schmücken!", titelte die Krone.
Und schon konnten sie in Umlauf gebracht werden, die in weiser Voraussicht organisierten Auto-Wimpel. Denn auf einmal hieß es auch: "Unabhängig von den jüngsten Diskussionen hatte die Krone - als einziges österreichisches Medium - schon vor Monaten die Erlaubnis vom Innenministerium bekommen, eigene Autofahnen samt dem Bundesadler herzustellen."
Und es scheint die patriotisierten Österreicher auch keineswegs zu stören, dass sie mit ihrer Auto-Bewimpelung gleichzeitig willige Werbeflächen abgeben. Für die Zeitung, aber auch für ein Möbelhaus oder für eine Bank.
Und sollte es "unsere" Nationalelf doch wieder einmal vergeigen - kann man die Werbelinie ja ändern. Und dann haben halt "die Nudelaugen" und "die Zechenstierer" gekickt. Nach der EURO will Edi K. die Fahnen ohnehin wieder abmontieren. (ef, frei, spri/DER STANDARD - Printausgabe, 31. Mai 2008)