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25. März 2008
20:19 MEZ
ZUR PERSON:

Alfred Körner (82) stürmte von 1942 bis 1959 mit seinem um zwei Jahre älteren Bruder Robert (starb 1989) für Rapid, wurde siebenmal Meister. In 47 Länderspielen erzielte er 14 Tore. Alfred Körner nahm an den WM-Endrunden 1954 und 1958 teil. 

Auf seinem Platzerl im Klubraum des St. Hanappi fühlt sich Alfred Körner wohl. Dort traf ihn Kurt Palm. Gesprochen wurde vor allem über den 26. Juni 1954, über das legendäre 7:5 gegen die Schweiz. Körner schoss zwei Tore. Österreich wurde Dritter der WM, jeder Spieler verdiente 32.000 Schilling.


Alfred Körner: "Wir sind Weltmeister der Ausreden"
Alfred Körner stürmte für jenes österreichische Team, das bei der WM 1954 in der Schweiz Dritter wurde. Der Ur-Rapidler über Fußball damals und heute - STANDARD-Interview

Standard: Bei der WM 1954 in der Schweiz belegte Österreich den dritten Platz. Was war das Geheimnis des Erfolgs?

Körner: Bei uns hat alles gestimmt. Die Verwaltung, der Trainerstab, die Mannschaft. Und wir hatten eine optimale Vorbereitung in Obertraun. Wir haben keinen Lagerkoller gehabt. Heute haben die Spieler nach fünf Minuten Heimweh. Wir haben uns am Fußballplatz vorbereitet, heute bereiten sie sich am Golfplatz vor. Außerdem hatten wir ein Zusammengehörigkeitsgefühl, das war ganz wichtig, da hat jeder für jeden gespielt.

Standard: Welche Rolle spielte Walter Nausch, der offiziell zwar Bundestrainer war, aber wegen seiner schweren Erkrankung nur selten das Training leiten konnte?

Körner: Walter Nausch war der feinste Mensch, den ich kennengelernt habe. Sehr bescheiden. Und ich habe einen großen Respekt vor ihm wegen seines Verhaltens während der Hitlerzeit, als er wegen seiner Frau, die ja eine Jüdin war, in die Schweiz gegangen ist. Bei der Weltmeisterschaft hat er eher im Hintergrund gearbeitet. Das Training hat meistens der Edi Frühwirth geleitet, aber die Drecksarbeit, wenn man das so sagen will, hat der Hans Pesser von Rapid gemacht. Im Kader waren ja zehn Spieler von Rapid.

Standard: Woran erinnern Sie sich heute besonders, wenn Sie an das Spiel gegen die Schweiz denken?

Körner: Natürlich an den Schock nach dem 3:0 für die Schweiz. Nach diesem Tor hat jeder von uns gesagt: "Das gibt es nicht, das darf doch nicht wahr sein." Dazu kam die nervliche Belastung durch den Kollaps vom Kurtl Schmied. Aber wir haben uns zusammengerissen und gekämpft. Dann haben wir durch den verschossenen Elfmeter von meinem Bruder noch einmal einen Dämpfer bekommen. In der Pause ist dann mein Vater in die Kabine gekommen und hat zu meinem Bruder gesagt: "Robert, wie kannst du einen Elfmeter verschießen?" Da habe ich gesagt: "Papa, lass doch den Robert jetzt in Ruhe." Da musste ich in der Pause auch noch meinen Vater trösten. Wie der in die Kabine hineingekommen ist, weiß ich bis heute nicht. Es gab ja überall Absperrungen.

Standard: Warum hat im Match gegen Deutschland eigentlich Schleger anstelle von Barschandt linker Außendecker gespielt?

Körner: Obwohl wir Spieler uns nie in die Aufstellung eingemischt haben, weil das Trainersache war, kann ich heute sagen, dass sich da der Schleger hineinreklamiert hat. Der ist mit dem Frühwirth spazieren gegangen und hat ihm eingeredet, dass er den Rahn halten kann. Was dabei herausgekommen ist, weiß man ja.

Standard: Und wie war das mit den Stoppeln der Deutschen? War das wirklich ein so großer Vorteil, wie es immer heißt?

Körner: Ja, natürlich waren die Stoppeln vom Dassler ein riesiger Vorteil für die Deutschen. Es hat ja an dem Tag geregnet, und wir haben von Puma nur ein Paar Schuhe gehabt, mit denen wir trainiert und gespielt haben. Heute kann ja ein Spieler zwischen acht Paar Schuhen auswählen.

Standard: Was sagen Sie zu den Vorwürfen, dass beim 1:6 gegen Deutschland österreichische Spieler bestochen waren?

Körner: Also diese Verleumdungen von Happel und Zeman waren letztklassig. Das waren gemeine Erfindungen von Journalisten. Bei der Rückfahrt von Zürich nach Wien mussten wir ja in fast jedem Bahnhof stehen bleiben. Am Westbahnhof haben Happel und Zeman dann versucht, durch den Hinterausgang zu verschwinden.

Standard: Es gab ja auch das Gerücht, dass es zwischen den Spielern und dem ÖFB zu Differenzen wegen der Höhe der Prämie gekommen wäre.

Körner: Ein totaler Blödsinn. Wir wussten ja gar nicht, wie viel wir bekommen würden. Ich bekam jedenfalls 32.000 Schilling, was damals sehr viel Geld war. Allerdings mussten wir davon Steuern zahlen. Von diesem Geld habe ich mir dann einen Volkswagen gekauft, der hat 34.000 Schilling gekostet. Das war mein erstes Auto.

Standard: Haben alle Spieler gleich viel Geld bekommen?

Körner: Darüber haben wir nie gesprochen, aber ich glaube schon.

Standard: Wie beurteilen Sie die momentane Situation des österreichischen Fußballs?

Körner: Alles hat sich verändert, nur der Fußball ist stehengeblieben. Heute holen die Mannschaften Tänzer, aber mit dem Ball kann keiner mehr umgehen. Außerdem sind wir Weltmeister der Ausreden. Wir haben uns 1954 auch nicht ausgeredet, als wir 1:6 gegen Deutschland verloren haben. Wenn Österreich gegen die Deutschen 0:3 verliert, dann reden sich alle darauf aus, dass wir 45 Minuten gut gespielt haben. Aber ein Spiel dauert 90 Minuten. Was sich auch noch grundsätzlich geändert hat, ist die Vereinstreue. Heute schaut jeder, dass er im Ausland möglichst viel Geld verdient, was ich ja auch verstehe. Wir konnten erst mit 28 Jahren ins Ausland wechseln, das war eine Bestimmung des ÖFB.

Standard: Gibt es noch eine Anekdote, die Sie uns erzählen möchten?

Körner: Einmal, als wir mit dem Zug zu einem Spiel nach Budapest gefahren sind, hat der Edi Finger an die Tür meines Abteils geklopft und mich um ein Interview gebeten. Vor dem Interview hat er zu mir gesagt: "Ich werde dich auch fragen, wer besser ist, der Heribert Meisel oder ich." So sind sie halt, die Journalisten. (Kurt Palm, DER STANDARD, Printausgabe, Samstag, 22. März 2008)

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