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Eine dunkle Begierde

Drama, Thriller (CDN/D/GB/CH 2011) - 99 min
Altersfreigabe: ab 14 (Wien: ab 12)
Prädikat: sehenswert

Regie: David Cronenberg
Produzent: Jeremy Thomas
Darsteller: Viggo Mortensen, Keira Knightley, Michael Fassbender
Filmstart: Fr, 11. November

28 Userbewertungen: Bewertungsbalken

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Wagnis Theorie, Stolperstein Dasein

Wien - Eine Kutsche, die sich im Eiltempo bewegt. Eine junge Frau darin ist außer sich, sie wirft sich an die Fensterscheibe, ihr angespannter Gesichtsausdruck wirkt noch lange im Gedächtnis nach. Wenig später ist Sabina Spielrein im Burghölzli angekommen, einem Sanatorium, in dem ihr Zustand der Hysterie von einem gewissen Carl Gustav Jung behandelt werden soll. Es ist das Jahr 1904, seine analytischen Methoden, die er vom Wiener Arzt Sigmund Freud übernommen hat, sind kaum etabliert und dementsprechend umstritten. Als Jung nun hinter seiner Patientin Platz nimmt und sie auffordert zu sprechen, ist so etwas wie Pioniergeist zu spüren.

David Cronenbergs A Dangerous Method ist kein Kostümfilm, der einem konservativen Genreverständnis folgt: Der umstandslose Beginn könnte mit seinem leisen Anflug von Camp, dem Keira Knightleys äußerst expressive Darstellung von Spielrein innewohnt, gar von einem B-Movie-Experten wie Roger Corman sein. Der Film verbindet in seinem Bild der Moderne inszenatorische Akkuratesse mit solchem Risiko. Geschichte ist hier nichts Museales, Starres, sondern eine erfahrbare Realität, die mitunter wie ein Schnitt in die Wange schmerzt. Gerecht wird ihr Cronenberg, indem er sich an bestimmte Voraussetzungen hält: Er schafft eine möglichst detailgenaue Rekonstruktion in klaren, geordneten Bildern und bewegt sich dann darin mit Lust an der Spekulation.

Den Mittelpunkt des Interesses bildet ein Beziehungsdreieck aus drei wagemutigen Protagonisten - die Vorlage, das Theaterstück The Talking Cure, stammt von Christopher Hampton -, in deren Aktionen (und Schriften) sich intellektuelle und leidenschaftliche Motive überlagern. Jung (Michael Fassbender) fühlt sich schnell zu Spielrein, die selbst Ärztin werden möchte, hingezogen - das Prinzip der Übertragung stellt sich ein. Der Masochismus der jungen Frau trägt, in umgeleiteter, mithin offen ausgelebter Form, auch zu ihrer Befreiung bei. Doch dies ist wiederum nur um den Preis einer anderen Form der Sublimierung möglich: Die Affäre muss unbedingt geheim bleiben.

Qualmende Autorität

A Dangerous Method besteht aus einer Vielzahl solcher komplizierten Relationen, in denen sich nicht zuletzt auch die Rangverhältnisse zwischen den Protagonisten abbilden. Viggo Mortensens Freud ist ein zurückhaltender Mann mit qualmender Pfeife, dessen schiere Autorität den eine Zeitlang als Ziehsohn auserwählten Jung zum Reden zwingt. In einer der komischsten Szene sitzen sie ins Gespräch vertieft zu Tisch, und der mit feiner Ironie gewürzte Gegenschuss offenbart sehr spät, dass auch der Rest des Freud-Clans ihren Worten lauscht.

Solche kühnen Manöver nehmen Cronenbergs Film, der nicht aus wenigen Dialogen besteht, jede ehrfürchtige Strenge. Die Figuren haben ihre menschlichen Makel - so weit sie sich auch theoretisch vorwagen, so sehr schrecken sie vor der schrankenlosen Praxis zurück. Am Libertin Otto Gross (Vincent Cassel), der "Bombe", die Freud Jung in die Schweiz schickt, mag sich letztlich keiner orientieren.

Das Melodram, das im Inneren von A Dangerous Method glimmt, besteht einerseits aus der Geschichte einer Versagung von Liebe. In seiner hellhörigen Form demonstriert der Film darüber hinaus, wie nicht nur Forschung und Existenz, Arzt und Patient, sondern auch Gegenwart und fatale Zukunft einer Epoche zusammenwirken.  (Dominik Kamalzadeh / DER STANDARD, Printausgabe, 10.11.2011)

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"Der Körper ist unsere Realität"

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foto: apa (pr/upi)
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12 Postings

mal wieder eine verspätete rezension:

der film ist durchaus ansehbar, aber zuviel sollte man sich nicht erwarten. erstklassige schauspieler zwar, doch fühlt man sich über weite strecken etwas zu sehr an eine der vielen TV-adaptionen historischer stoffe im hauptabendprogramm erinnert. ein etwas zu braves salondrama, das nie so recht mitreißen will.

Eher durchschnittlich

Auf Grund beinahe überschwänglicher Rezensionen war ich nach dem Filmbesuch eher enttäuscht!
Dies gilt nicht so sehr den schauspielerischen Leistungen der Hauptdarsteller als der Regie bzw. der filmischen Umsetzung des Buchs

naja. ich hätte mich trotz der bekannten geschichte gefreut, wenn nicht jede handlung minuten zuvor fast direkt angekündigt wird. würde dem ganzen film die vorhersehbarkeit nehmen.

der film ist äußerst mittelmäßig!!!

Freud/Holmes

Pfeife schmaucht Herr Freud (wie im Text geschrieben) am allerwenigsten, sondern seine berühmte Zigarre!
Was mich aber auf direkten Wege zu seinem wahrlich pfeiferauchenden Zeitgenossen führt: Sherlock Holmes. Der männerbandelnde Gentleman mit enormer Damenresistenz - von den sexuellen Möglichkeiten einer Gegenüberstellung ganz zu schweigen. Aber sexy ist er ja, der Herr Holmes....

Cronenberg hat irgendwie schon besseres gemacht...Aber Viggo Mortensen spielt fabelhaft wie immer. Für Eastern Promises hätte er eigentlich den Oskar bekommen sollen!

danke D.K.

Lese so quer durch die filmkritiken von Zeit, süddeutsche, FAZ, presse.... und kann mit kamalzadeh am meisten anfangen. Ist auch nicht so zerstörerisch.
Merci

Tja, nur ist diese Rezension ungefähr so zutreffend

wie die in ihr aufgestellte Behauptung, Freud würde Pfeife qualmen...

Ansehen!

Warum? Hat er dich begeistert?

Viggo Mortensen ist als Freud so sinnvoll wie Jackie Chan, doch sonst ist der Film durchaus gelungen.

ich denke da eher umgekehrt, auch wenn ich viggo mortensen immer mit pferd und schwert in verbindung bringe.

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