Volltextsuche:go

Dame, König, As, Spion

Drama (F/GB/D 2011) - 127 min
Altersfreigabe: ab 14 (Wien: ab 12)
Prädikat: wertvoll

Regie: Tomas Alfredson
Produzent: Tim Bevan, Eric Fellner, Robyn Slovo
Darsteller: Gary Oldman, Colin Firth, John Hurt
Filmstart: Do, 02. Februar

20 Userbewertungen: Bewertungsbalken

Film bewertenProgramm anzeigen

Kalte Krieger eines verfaulenden Systems

Wien - Am Weihnachtsfest ist die Stimmung bereits ausgelassen. Die Mitarbeiter des britischen Geheimdienstes MI6 brechen wie beim Faschingsfest aus ihren sonst so unflexiblen Rollen aus. Einer unter ihnen hat sich zum Santa-Claus-Kostüm eine Lenin-Maske übergezogen, was die anderen spontan dazu motiviert, voll Inbrunst die sowjetische Nationalhymne zu singen. Agent George Smiley, überkorrekter Held aus Tinker Tailor Soldier Spy / Dame, König, As, Spion hält sich zurück. Prompt wird er zum Zeugen, wie seine Frau einen anderen Mann küsst.

Eine der bemerkenswertesten Szenen aus Tomas Alfredsons ambitionierter Neuverfilmung von John le Carrés Spionageroman: Indem sie das Spiegelverhältnis der sich feindschaftlich gegenüberstehenden Mächte als Karneval zuspitzt - und ein Motiv des persönlichen Betrugs einführt -, legt sie einen Moment lang den sonst so unterkühlt gezeigten Wahnwitz dieser Arbeitswelt offen. Denn ganz im Unterschied zum dekorativen Glamour eines James Bond führt dieser Film in eine erstarrte, bleierne, von mechanischen Abläufen bestimmte Institution, deren Hermetik Alfredson und sein Kameramann Hoyte van Hoytema noch betonen. Die Einstellungen sind oft eingerahmt, von Gittern durchzogen, die Farben bilden eine eindrucksvoll matte Palette aus Grau-, Gelb- und Brauntönen.

Treuer Diener seines Herrn

Am Beginn der 1970er, zu einem Zeitpunkt, als der Kalte Krieg schon wie eine nicht hinterfragbare Realität erscheinen muss, steht der MI6 unter Verdacht. Ein in Budapest ermordeter Agent hat die Politik gegen den "Circus" aufgebracht. Noch schlimmer jedoch wiegt, dass sich in den eigenen Reihen ein Maulwurf des KGB befinden soll. Um den Spion aufzuspüren, wird der in den Ruhestand versetzte George Smiley wieder aktiviert - der treue Diener seines Exchefs Control (John Hurt) ist der Prototyp des Agenten als gewissenhafter Routinier, der sich nicht ins Blatt schauen lässt. Ein Leben lang jagt er seinen sowjetischen Antagonisten Karla.

In der BBC-TV-Serie von 1979 hatte Alec Guinness sieben Folgen lang Zeit, um sich durch die komplexen Zusammenhänge dieses Falls zu arbeiten. Der Schwede Alfredson bewältigt le Carrés voluminöses Buch in etwas mehr als zwei Stunden, indem er die Handlung äußerst elliptisch arrangiert und durch knapp gehaltene Clues dem Zuschauer Konfrontation abfordert. Ähnlich wie in seinem gefeierten Vampir-/Jugenddrama, So finster die Nacht, interessiert er sich weniger für die dramatischen Möglichkeiten des Genres als für Atmosphären, Befindlichkeiten und Lebensumstände, die dieses mit sich führt.

Mit Gary Oldman, der für diesen Part das erste Mal Oscar-nominiert ist, hat er einen Darsteller zur Seite, der es mühelos schafft, einen dunklen Raum auch vollkommen bewegungslos mit Aura aufzuladen. Sein Smiley ist ein unendlich schweigsamer Mann, dessen Blick unlesbar hinter dicken, reflektierenden Brillengläsern ruht. Die Redlichkeit sieht man schon an der aufrechten Haltung, mit der er sein Schwimmtraining absolviert, dennoch bleibt er undurchsichtig (und mit ihm auch ein wenig der in Ausstattungsdetails schwelgende Film) sowie von einer stillen Schwermut begleitet.

Die einzige lichte Passage in Tinker Tailor Soldier Spy gehört einem Agenten, der sich in Istanbul verliebt. Suspense stellt sich nur sporadisch ein, etwa bei einem Diebstahl im eigenen Hauptquartier. Alfredson geht es um anderes, er erzählt vom langsamen Verfall eines Systems, dem Geheimnisse, Betrug und Verrat zur Natur geworden sind. So gleichen die Figuren alle ein wenig dem verzweifelten Vogel, der sich in einer der bizarreren Szenen des Films in einem Kamin verfangen hat. (Dominik Kamalzadeh, DER STANDARD - Printausgabe, 2. Februar 2012)

Programm anzeigen

Trennlinie

http://www.damekoenigasspion.dehttp://www.tinker-tailor-soldier-spy.comThe Internet Movie Database

Artikelbild
foto: apa (pr/emw)
Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 52
1 2
war gestern. ganz toll, der aktenaufzug und die weihnachtsfeiern.

das 'moment des persönlichen betrugs' ist freilich ein drehpunkt des romans und nicht dazuerfunden, zu recht als literaturverfilmung preisgekrönt. ja, smiley und seine frau im zentrum. aber es gibt eben auch die bisexuellen und schwulen geschichten des verrats, subtil inszeniert und dargestellt.

http://en.wikipedia.org/wiki/Tinker,_Tailor

tatsächlich einer der spannendsten filme die ich seit einer weile gesehen habe.die zahlreichen kommentare die ihn als langweilig bezeichnen kann ich mir ohne unfreundlich zu werden nur damit erklären, daß sie von leuten stammen die prinzipiell mit spionage oder politthrillern nichts anfangen können, und sich einen im stil des werbefernsehens geschnittenen supercoolen guy ritchie verschnitt erwartet haben.in zeiten in denen die blockbuster eines christopher nolan für intelligentes kino gehalten werden, darf man sich über solche reaktionen vermutlich kaum ärgern...

Herrlich paranoid, exzellenter Film, ein kleines Meisterwerk.

Desillusionierte alternde Männer, die alles Junge, Lebendige, Sinnliche verachten oder nicht mehr kennen - und mit dem Leben anderer Menschen spielen wie mit Schachfiguren. Eigentlich sind das Untote, Vampire, die sich vom Blut der anderen ernähren.
Besprechungen finden in einem Container inmitten des Großraumbüros statt - eine sinnfälligere Metapher für Geheimdienstarbeit wurde selten gefunden.
Insgesamt wird das Verkommene, Graue, Düstere dieser Profession fantastisch vermittelt.
Großartige Schauspielerleistungen von Gary Oldman über John Hurt bis Toby Jones tun ein übriges.
Wobei: Wenn man nicht ein bisschen mitdenkt, ist der Film klarerweise mühsam. Oder wenn man in Sportwagen herumkurvende "Spione" samt ihrer Girls sehen möchte.

Letzte Woche auf BR gesehen und leider unheimlich einschläfernd.

"In der BBC-TV-Serie von 1979 hatte Alec Guinness sieben Folgen lang Zeit, um sich durch die komplexen Zusammenhänge dieses Falls zu arbeiten."

Ich habe sieben Wochen auf Action gewartet. Einer der langweiligsten Filme, die ich je gesehen habe.

ja, bei "the artist" war ich auch sehr enttäuscht.nicht eine autoexplosion!!

Spannung würde schon reichen.

Ellipse - Hyperbel

Was genau ist eien elliptisch arrangierte Handlung?
und worin besteht der Unterschied zur parabolisch oder hyperbelisch arrangierten Handlung?

Die Handlung wird nicht vollständig durcherzählt, sondern ist eine Aneinanderreihung von abgehakten Szenen, deren Verbindung man sich selbst zusammenreimen soll. MMn in diesem Fall nicht wirklich gelungen, wenn auch von der Kritik hoch gelobt.
Als Parabel arrangiert wäre die Handlung, wenn sie an einem Beispiel den Zuschauer dazu bringen wollte, sich mit einer moralischen Frage zu beschäftigen. Eine Hyperbel wiederum dann, wenn zur Verdeutlichung der Aussage eine starke, unglaubwürdige Übertreibung stattfinden würde.

fehlen von den kegelschnitten noch die grenzfälle

gerade, kreis und punkt. kann die nun auch noch wer erklären?

Nun, in "Groundhog Day"

ist die Handlung kreisförmig,

in "Inglorious Basterds" spiralig

in "à bout de souffle" und "Day of the Chackal" linear

und würde man den "Mann ohne Eigenschaften" verfilmen, wäre sie punktförmig

;-)

Den Film habe ich auch gesehen. Ich war etwas entäusch, der Film "pace" war meiner Meinung nach sehr sehr langsam und es fehlte an Spannung. Kein schlechter Film aber er war auch nicht so gut wie er rezessioniert wurde.

Eine der besten Rollen Oldmans ist jene des "Drexel" in True Romance.

Einfach irre.
Aber er hat ja auch in vielen anderen Independent-Streifen mitgespielt.
Einer meiner absoluten Lieblingsschauspieler.

Eine der besten Rollen Oldmans ist jene des "Drexel" in True Romance

Wer oder was ist ein Drexel?
;-)

Oldman ist ein menschliches Chamäleon. Er hat mitgespielt in: Dark Knight (Gordon), Batman Begins (Gordon), Lost In Space (Dr. Smith), Fifth Element (Zorg), die Harry Potter-Reihe (Sirius Black)... und man muß schon 2x hinschauen, um zu erkennen, daß es derselbe Schauspieler ist.

Hat auch unter anderem auch überzeugend Beethoven und Dracula dargestellt, war der korrupte, psychopatische Kieberer in "Leon - der Profi", etc, etc

Er hat mitgespielt in

"Rosencrantz und Güldenstern sind tot"

Die DVD ist in Ö leider nicht erhältlich, wahrscheinlich bekommt man den Film übers Netz ohne deutsche Übersetzung. Aber man muss sehr gut englisch verstehen können, um den Witz zu erfassen.

Hier sind einige Perlen aus dem Film:
http://www.youtube.com/results?s... l2.4.1l7l0

Gehört imho mit zu den besten Filmen von Gary Oldman und dem ebenbürtigen Tim Roth.
:-)

besten Filme vergessen

unvergesslich seine bösewichtrollen in "leon der profi", "true romance" (zuhälter) oder "romeo is bleeding"!!

das 5. element

"State of Grace" (Im Vorhof der Hölle, 1990)

und als Beethoven

in der zart verzweifelten Geschichte "Immortally Beloved"

Im Grunde spielt er immer den selben: den Bösen.

Sylvester Stallone ist auch so ein Menschliches Chamäleon.

Er hat mitgespielt in "Rocky I", Rocky "II", Rocky "III", "Rocky IV", "Rocky V" und Rocky Belboa. Ausserdem in Rembo 1, 2 und 3. In "Stop, oder meine Mami schiesst", "Demolition Man" und "Oscar - vom Regen in die Traufe". Ausserdem noch in "Vorhof zum Paradies", in "Over the Top", in "FIST" und "Cop Land".

Im Gegenssatz zu Oldman, kann Stallone facettenreiche Genres spielen. Action, Komödien, Actionkomödien, Dramatisches, und Actionbehaftete Dramatik.

das zwickt,

daß der Nippel von selbst in die Lasche kriecht!

*ggg*

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 52
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.