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Paradies - Liebe

Drama (A/D/F 2012) - 120 min
Altersfreigabe: ab 0

Regie: Ulrich Seidl
Produzent: Philippe Bober, Christine Ruppert, Ulrich Seidl
Darsteller: Margarete Tiesel, Peter Kazungu, Inge Maux
Filmstart: Fr, 30. November

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Egal ob man die Filme von Ulrich Seidl mag oder nicht, kalt lassen sie einen nie. Das wird wohl auch bei "Paradies: Liebe" so sein, dem ersten Teil der "Paradies"-Trilogie. Im Mai feierte der Film Uraufführung im Wettbewerb der Filmfestspiele in Cannes, und zählte in der Jury zu den am kontroversesten diskutierten Filmen. Nüchternen Blicks folgt Seidl einer österreichischen Sextouristin in Kenia.

In der Hauptrolle agiert Margarethe Tiesel, die als Teresa auf der Suche nach ein bisschen Glück bald als "Sugar Mama" von jungen kenianischen Männern begleitet wird. Während die erste Kontaktaufnahme noch an der fehlenden Zuneigung scheitert, hat Teresa mit Munga (Peter Kazungu) scheinbar mehr Glück: Munga ist nicht so aufdringlich wie die anderen "Beach Boys", spricht nicht gleich von Geld, führt sie durch sein Heimatdorf und lädt sie spielerisch und mit notdürftigen Deutschkenntnissen schließlich auch zum Austausch von Intimitäten ein. Von Liebe ist die Rede, denn "die Liebe endet nur in Europa, nicht in Afrika".

Aber dann kommt dennoch bald Geld in Spiel, wird für erkrankte Verwandte gesammelt, verwandelt sich die sexuelle Zuneigung in finanzielle Berechnung. Teresa und ihre Freundinnen nehmen sich dabei die ganze Zeit über nicht unbedingt als Sextouristinnen wahr: Wie oft hat man sich zu Hause für Männer verbogen, sich aus Attraktivitätsgründen geschunden? Das spiele in dem afrikanischen Land keine Rolle, erklärt Teresas Freundin (Inge Maux) in Kolonialfrauenmanier. Hier könne frau sein, wie sie wolle. Und so werden die daheim Ausgebeuteten selbst zu Ausbeutenden, bis sie in diesem ewigen Kreislauf selbst wieder zu Opfern ihrer eigenen Ausbeutung werden. Mit Liebe hat das alles wenig zu tun, und auch das Paradies stellt man sich wohl anders vor.

Wie bei "Hundstage" und "Import Export" arbeitete Seidl auch bei "Paradies: Liebe" wieder sowohl mit professionellen Schauspielern (u.a. Margarethe Tiesel) als auch mit Laien, mit viel natürlichem Licht und dokumentarischen Stilmitteln, mit zwar genauem Drehbuch, wie er erklärte, aber ohne vorgegebene Dialoge. Die Darstellung der Schauspielerinnen und Schauspieler erfolgt völlig ungeschönt, in natürlichem Licht mit Übergewicht und hängenden Körperteilen. Margarethe Tiesel ist fast den gesamten Film über zu sehen, vielfach halb nackt und stets unheimlich präsent. (APA)

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foto: apa (stadtkino)