Wieder Ordnung an der Fußballbörse

30. Juni 2002, 22:14
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An den Aktienbörsen leider nicht - Gastkommentar von Michael Margules

Mit dem 2:0 Sieg gegen Deutschland hat Brasilien bei der 17. Fußball-Weltmeisterschaft die Fußballwelt wieder ins rechte Lot gerückt. An den internationalen Börsen hingegen läuft es alles andere als rund ab. Die Ereignisse der vorangegangenen Woche mit den vom amerikanischen Telekom-Unternehmen MCI WorldCom bekannt gegebenen (ertragswirksamen) Falschbuchungen in Milliardendollarhöhe – jahrelange Umsatzfehlbuchungen wie jene von Xerox oder die zu geringen Gewinnausweise von Disney fallen da schon unter „Kleinigkeiten“ - haben unter anderem endgültig den Mythos schnellen Reichtums via Börse zunichte gemacht. Was bleibt ist nicht nur die berechtigte Frage, ob WorldCom nur ein Einzelfall ist, oder gar das Abbild der Telekommunikationsbranche, wenn nicht sogar ein Flächenbrand zumindest innerhalb des amerikanischen Aktienbestandes, darstellt.

Japanische Verhältnisse?

In jedem Fall erinnern spätestens jetzt die Vorgänge rund um die unmittelbar vor dem Konkurs stehende WorldCom, die Anfang der 80er Jahre aus der Aufspaltung der ATT (Baby Bells) hervorging, fatal an die Entwicklungen am japanischen Aktienmarkt. Auch dort sorgten gekünstelte Überbewertungen von Unternehmen und eine von allen Beteiligten der Finanzindustrie mitgetragene Spekulationsblase in den 80er Jahren für eine Hausse wider jeglicher betriebs- und volkswirtschaftlicher Vernunft an der Tokioter Börse. Seit 1989, als der Nikkei-Index mit nahezu 40.000 Punkten sein historisches Höchst erreichte, zeigen die japanischen Aktienkurse nur mehr in eine Richtung: nämlich abwärts, und dieser Baisse schloß sich auch die japanische Wirtschaft an.

Langjähriger Schaden

Auch in den Vereinigten Staaten mehren sich die Anzeichen einer weitaus längeren als jemals für möglich gehaltenen Abwärtsspirale. Was noch vor kurzem als das bloße Platzen einer Spekulationsblase in Technologieaktien, und selbst noch beim Kriminalfall Enron als Einzelfall in punkto Mißbrauch des Anlegervertrauens abgetan wurde, scheint immer mehr in richtung einer ausgemachten Vertrauenskrise in Wallstreet und ihre Institutionen auszuufern. Jetzt droht eine nachhaltige Meidung des gerade in Amerika auch im Hinblick auf die Altersversorgung so wichtigen Finanzierungsinstruments „Aktie“, mitsamt einer nicht zu unterschätzenden Krise des Dollars.

„Back to the Roots“

Im Jahr 2006 wird die nächste Fußball-WM in Deutschland stattfinden, nicht wie diesmal unter der Schirmherrschaft eines – japanischen – Kaiserpaares, sondern von Kaiser Franz, und bis dahin wird es wohl auch dauern, bis die Börsen wieder zu einem Aufschwung auf breiterer Basis bereitstehen. Zeit und Muße genug, um das Instrument „Aktie“ respektive die Anleger wieder zu den Wurzeln des Anlegerverhaltens zurückkehren zu lassen, sprich:

  • langfristig investieren, unter Beachtung des Faktors „Risiko“,
  • auf Dividendenzahlungen achten
  • einige Börsen-Hausaufgaben selbst erledigen, und nicht nur den Ratschlägen von Analysten und Fernsehstationen folgen

Denn trotz des Niedergangs der Aktien gilt nach wie vor: langfristig sind die Dividendenpapiere die beste Anlageform, und schließlich vergeht auch jeder Kater, der dem Rausch folgt, wieder!

Nachlese

--> Auf Resignation naht die Wende
--> Jede schlechte Nachricht hat ihr Gutes
--> Hört die Deflations-Signale

Michael Margules lebt als freier Journalist in Wien. Sein Gastkommentar "Börsenblick" erscheint wöchentlich - jeden Montag - auf derStandard.at. Anlageempfehlungen stellen die persönliche Meinung des Autors dar.
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