Oliver Kahn - Auch nur ein Mensch

30. Juni 2002, 20:58
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Der deutsche Torhüter leitete Deutschlands Niederlage ein: "Das ist zehn Mal bitter" - Bänderriss im Ringfinger

Yokohama - Bei der Fußball-WM in Südkorea und Japan unterlief Deutschlands Keeper Oliver Kahn nur ein einziger Fehler, doch das Malheur in der 67. Minute zum 0:1 entschied das Endspiel zu Gunsten der Brasilianer. Vom fast Unbezwingbaren, der vor dem Finale in sechs Partien nur einen Treffer kassiert hatte, mutierte der Schlussmann von Bayern München zur tragischen Figur.

Minutenlang saß Kahn nach dem Schlusspfiff auf dem Rasen an den Torpfosten gelehnt. Trösten konnte ihn in dieser Situation keiner, auch wenn es die gesamte Equipe versuchte. Teamchef Rudi Völler ("Für Olli gibt es von uns keine Vorwürfe") nahm ihn ebenso in Schutz wie die Mannschaftskollegen.

"Zehn Mal bitter"

Doch Kahn wusste, dass er Deutschland auf die Verlierer-Straße gebracht hatte, als er einen unplatzierten Schuss Rivaldos aus 20 Metern nicht festhalten konnte und Ronaldo zum 1:0 für den neuen Weltmeister abstaubte. Ein Mann wie er, der sich der Perfektion verschrieben hat, konnte sich in den Stunden nach dem Finale auch nicht über den zweiten Platz freuen. Kahn: "Wenn der einzige Fehler des Turniers zur Final-Niederlage führt, dann ist es eigentlich noch zehn Mal bitter."

"Nur dank Olli ins Finale"

Doch die Kollegen waren sich bewusst, dass die den zweiten WM-Rang in erster Linie ihrem Keeper zu verdanken haben. Verteidiger Metzelder: "Nur dank Olli sind wir überhaupt ins Finale gekommen. Und auch gegen Brasilien hat er uns mit Paraden lange im Spiel gehalten." Trotz dieses Fehlers wurde der 33-jährige Schlussmann von der FIFA zu Recht zum besten Torhüter des Turniers gewählt.

Und in einem halben Jahr könnte Kahn als erster Goalie zum Weltfußballer des Jahres gekürt werden. Es wäre eine Entschädigung für ihn, dem wohl der große Erfolg mit der Nationalmannschaft verwehrt bleibt. Vor sechs Jahren stand Kahn beim deutschen EM-Titel noch im Schatten von Andreas Köpke und die erste WM-Endrunde als Stammtorhüter könnte auch seine letzte sein. Denn wer weiß, ob Kahn in vier Jahren bei der nächsten WM im eigenen Land noch dabei ist.

Bänderriss

Dass er sich bei einem Zusammenstoß mit Kleberson einen Bänderriss im Ringfinger der rechten Hand zugezogen hat, wurde von Kahn nach der Begegnung kaum thematisiert. "Jetzt gehe ich ja in die Ferien, da behindert mich der verletzte Finger nicht." Entschuldigungen für den Patzer ließ er ebenso wenig gelten wie er Trost dafür entgegen nehmen wollte.

Kahn hatte übrigens schon vor dem Anpfiff kein gutes Omen. Als bekannt wurde, dass Schiedsrichter Pierluigi Collina die Partie pfeifen würde, war für ihn alles klar. "Collina ist ein Weltklasse-Schiedsrichter, daran gibt es keinen Zweifel. Aber er scheint uns einfach kein Glück zu bringen." Mit Collina unterlag Kahns Verein Bayern München im Finale der Champions-League 1999 gegen Manchester und das DFB-Team in München mit 1:5 gegen England.(APA/SIZ/AP)

  • Oliver Kahn fabrizierte den wohl folgenschwersten Patzer in seiner Karriere

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