Hauptversammlung

30. Juni 2002, 20:08
posten

Die Steuerzahler werden bei der nächsten Wahl entscheiden müssen was sie von der Post erwarten - von Luise Ungerboeck

Schön langsam nervt er, der ewige Jammer mit der Post. Die Konsumenten warten - vielfach vergeblich - auf spürbare Verbesserungen der traditionell unattraktiven Dienstleistungen, aber Post-Chefs und Belegschaftsvertretung haben offenbar nichts anderes zu tun, als sich einen Schlagabtausch nach dem anderen zu liefern. Für beide Streithähne kann man kaum noch Verständnis aufbringen. Denn bei der Sanierung des maroden gelben Riesen scheint nicht rasend viel weiterzugehen. Ein Brief von Judenburg nach Knittelfeld braucht nach der Eröffnung des modernen Sortierzentrums in Graz noch immer bis zu zwei Wochen. Vor der Modernisierung ist es bei gutem Wind binnen zwei Tagen gegangen.

Die mächtige Postgewerkschaft wiederum will nicht und nicht wahrhaben, dass ihre goldenen Zeiten vorbei sind. Zwar ist zu würdigen, dass sie sich gegen den Abbau Tausender Jobs - mitunter energisch und trickreich - zur Wehr setzt, im Unterschied zur früheren Monopolverwaltung obliegt ihr aber nicht die Firmenleitung.

Heißt konkret: Wenn der Eigentümer, sprich die Republik Österreich, eine Zerschlagung samt anschließendem Teilverkauf des roten Riesen plant (was in Regierungskreisen übrigens durchaus das Prädikat "erstrebenswert" erhält), dann ist das zu respektieren. Für die Aufsicht der Post-Manager ist die Verstaatlichtenholding ÖIAG zuständig. Weil die es mit ihrer Kontrolle aber nicht immer so genau nimmt, ist es auch gut und richtig, dass ihr die Arbeitnehmer ab und zu auf die Finger klopfen.

Entscheidend wird sein, wie die wirklichen Post-Aktionäre, die Steuerzahler, bei der nächsten Hauptversammlung, also bei der Nationalratswahl 2003, abstimmen, ob sie "ihre" Post tatsächlich verklopfen wollen, denn das war bisher nicht geplant.

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