Immobilienfonds als Alternative

30. Juni 2002, 19:34
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Bisher vernachlässigtes Anlageinstrument rückt stärker in den Blickpunkt

Wien - Während die Aktienmärkte auf breiter Front einbrechen und ein Ende der Krise vorläufig nicht in Sicht ist, gerät ein in den letzten Jahren recht stiefmütterlich behandeltes Anlageinstrument immer mehr in den Blickpunkt sicherheitsorientierter Anleger: Veranlagungen in Immobilien brachten gegen den breiten Trend auch im letzten Jahr hervorragende Renditen. Das tun die meisten zwar schon seit längerem, doch wurden ihre Ergebnisse bisher vernachlässigt. Wer scherte sich schon um sieben oder acht Prozent Ertrag, wenn an den Aktienbörsen ein Vielfaches davon zu holen war?

Grundsätzlich unterscheidet man zwei Typen von Immobilienfonds: Die einen kaufen direkt Büro-, Geschäfts-oder Wohnungsflächen und erzielen ihre Renditen aus Vermietung oder Verkauf derselben. Der andere Typus ist vor allem in den USA recht beliebt: Er investiert in Aktien von Firmen, die von Vermietung und Verkauf von Immobilien leben. Der Anleger kann natürlich auch die Aktien dieser Unternehmen direkt kaufen.

7,57 Prozent Rendite

Der s-Immo Invest der Sparkassen Immobilienanlage AG, ein ausschüttender Fonds, erfreut sich in Österreich großer Beliebtheit: Er investiert sein Vermögen direkt in Immobilien.

Damit fuhr man in den letzten Jahren nicht schlecht: Die durchschnittliche Rendite der letzten drei Jahre lag nach Abzug der Kapitalertragsteuer (KESt) bei 7,57 Prozent. Der Fonds verfügt über insgesamt 91 Mio. Euro, die zu 46 Prozent auf Büroflächen, zu 23 Prozent auf Geschäfte und Garagen verteilt sind. Geografisch liegt der Schwerpunkt in Österreich; 14 Prozent wurden aber auch in Tschechien (Prag) veranlagt.

Immofinanz agiert weltweit

Ein Schwergewicht am heimischen Immobilienmarkt ist die Immofinanz: Hier liegt das Vermögen bei mehr als einer Mrd. Euro. Der geografische Anlagehorizont der Immofinanz, die im Fließhandel der Wiener Börse notiert, reicht von Österreich über Tschechien, Ungarn, Frankreich und Spanien bis in die USA. Dort wurde zuletzt verstärkt in Einkaufszentren, Appartements und medizinische Zentren, vor allem in Texas, investiert. Insgesamt hat die Immofinanz knapp eine Million Quadratmeter unter Verwaltung.

US Real Estate

Im Schnitt der letzten fünf Jahre wurden 8,55 Prozent jährlich erzielt, auf drei Jahre gesehen waren es sogar 9,67 Prozent. Gewinne werden nicht ausgeschüttet; damit sind die Kursgewinne der Aktie nach einem Jahr steuerfrei.

Einer der wenigen in Österreich für Kleinanleger zugelassenen Immobilienfonds ist der US Real Estate Investment Fund von Alliance Capital Management (ACM), der in drei Klassen angeboten wird. Fondsmanager Daniel G. Pine, seit Fondsbeginn vor fünf Jahren dabei, setzt das Geld seiner Anleger (zurzeit rund 455 Mrd. Dollar) vor allem auf Unternehmen, die ihr Geld mit Büros, Appartements und Lager, aber auch mit Einkaufszentren und Bauland verdienen.

Seit Fondsbeginn 1997 verdiente Pine damit in der besten Klasse des Fonds (I) durchschnittlich 3,8 Prozent pro Jahr auf Dollarbasis; dieser Wert stieg aber zuletzt deutlich an: Wer vor einem Jahr einstieg, konnte sich über einen Wertzuwachs von mehr als 15 Prozent freuen.(Reinhard Kremer, Der Standard, Printausgabe, 01.07.2002)

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