"Spirit – Der wilde Mustang": Pferdeliebe, Pferdeleid

27. Juli 2004, 16:40
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"Spirit - Der wilde Mustang" sucht Österreichs Kinos heim

Wien - Pferde und Menschen verbindet einiges. Weil Pferde trotzdem Pferde sind, im Kino allerdings von Menschen verstanden werden wollen, singen sie neuerdings mit der Off-Stimme von Bryan Adams kernige Rockballaden oder lassen uns, vermittelt durch Matt Damon, an ihrer Geschichte teilhaben.

Die Geschichte geht so: Spirit, der vierbeinige Held, kaum dem Fohlenalter entwachsen, schon Leithengst der Herde, wird Opfer seiner Neugierde und gerät in Gefangenschaft. Cowboys verfrachten ihn in ein Armeefort. Und während man im Kino gerade denkt, dass - der Standarddramaturgie folgend - nun vielleicht ein einsames Offizierstöchterchen sein Herz für Tiere entdecken und das edle Ross endlich mit einem (menschlichen) Zweibeiner Freundschaft schließen könnte, da erscheint auch schon ein junger Indianer auf der Bildfläche. Man erlebt einige gemeinsame Abenteuer, die mit gefährlichen Wasserfällen, der Eisenbahn und einem Waldbrand - seit Bambi gut für Tierfilmaction - zu tun haben. Und schließlich erkennt der ebenfalls von den weißen Eroberern verfolgte Native American, dass der Mustang unter seinesgleichen und in Freiheit - mit einer liebreizenden Appaloosa-Stute an seiner Seite - am besten aufgehoben ist.

So grob hingeworfen wie die Geschichte wirken auch die Bilder. Spirit - Der wilde Mustang von Kelly Asbury und Lorna Cook, produziert von DreamWorks (Shrek), bleibt trotz Zuhilfenahme digitaler Mittel ziemlich altbacken. Zu einem Zeitpunkt, wo Disney mit Lilo & Stitch eben ein wenig von den kleinfamiliären Beziehungsmustern abweicht, galoppiert Spirit auf den alten Trampelpfaden des Zeichentrickkinos. (DER STANDARD, Printausgabe, 1.7.2002)

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