US-Fluglinien weiter in schweren Turbulenzen

30. Juni 2002, 19:44
posten

Standard & Poor's senkt Ratings - United Airlines beantragt Finanzhilfen von zwei Mrd. Dollar

Wien - Der deutliche Einbruch des Flugverkehrs nach den Terroranschlägen im September und die Sicherheitsauflagen haben selbst scheinbar nicht zu erschütternde US-Megacarrrier ins Trudeln gebracht und Milliardenverluste beschert. Nun klopfen sie bei der Regierung in Washington um weitere Finanzspritzen an. Die zweitgrößte US-Fluglinie United (sie ist Star-Alliance-Partner der Austrian Airlines) hat Kreditbürgschaften über zwei Mrd. Dollar beantragt.

Neuer Rückschlag für die Branche: Standard & Poor's hat die Ratings von fünf großen US-Airlines (American, Continental, Delta, Northwest und United) gesenkt und mit negativem Ausblick versehen. Die Erholung im US-Flugbetrieb sei zum Stillstand gekommen, zwar hätten sich die Fluggastzahlen weitgehend erholt, doch seien die Preise weiter stark unter Druck.

United droht Pleite

In noch heftigeren Turbulenzen ist aber die Nummer sechs jenseits des großen Teichs, US Airways: Der Carrier will Kreditbürgschaften über 900 Mio. Dollar. Ohne den Notkredit fürchtet die Fluglinie in die Pleite zu schlittern. Noch müssen die Carrier auf grünes Licht aus Washington warten.

Zuständig ist der nach den Terroranschlägen als Hilfsinstanz für die Branche gegründete Air Transportation Stabilization Board (ATSB). Der achtgrößten US-Fluglinie America West wurden bereits Staatsgarantien über 380 Mio. Dollar zugesagt. Im Rahmen des staatlichen Hilfsprogramms, das direkte Bargeldhilfen an die Branche (fünf Mrd. Dollar) beinhaltete, hatte United bereits im Herbst 725 Mio. Dollar erhalten. Voraussetzung für eine Finanzspritze ist die Vorlage eines Restrukturierungsplans. Sparmaßnahmen sind bei United schwer umzusetzen, weil den rund 84.000 Mitarbeitern der Fluglinie 54 Prozent des Unternehmens gehören. Während Piloten und Verwaltungsangestellte schon Verzicht geleistet haben, steht eine Einigung mit der Mechanikergewerkschaft noch aus.

Weiterer Grund für die angespannte Finanzlage bei den großen Airlines ist die harte Konkurrenz durch Billiganbieter in den USA, die besonders dank der deutlich geringeren Personalkosten die Nase vorne haben. US-Marktführer bei diesen so genannten "No-Frills"-Anbietern ist South- west. Während die großen US-Airlines am Heimmarkt stark unter Druck der Billiganbieter sind, schaut es international ganz anders aus.

Nischen abdecken

United-Präsident Rono Dutta erwartet, dass Billigflieger auf der Langstrecke nur Nischen werden abdecken können. Grund: Wollte Southwest interkontinental fliegen, müsse der Carrier mehrere Flugzeugtypen fliegen und den Piloten- und Flugbegleiterpool deutlich vergrößern. Zugleich würden Unterhalts-und Ausbildungskosten die Tickets verteuern. Derzeit fliegt Southwest nur Boeing 737 mit einer Klasse. (rose, Der Standard, Printausgabe, 01.07.2002)

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.