Deutsche Telekom greift tief in Tasche

30. Juni 2002, 20:02
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Beschäftigte bekommen Lohnsteigerung um 4,1 Prozent

Berlin - Bei der Deutschen Telekom (DT) verdienen nicht nur die Manager mehr, sondern künftig auch die Beschäftigten: Mit dem in diesem Jahr bisher höchsten Branchenabschluss in Deutschland ist am Wochenende der Tarifkonflikt beim deutschen Exmonopolisten beigelegt worden.

Die Einkommen der rund 125.000 Telekom-Beschäftigten steigen am 1. Juli um 4,1 Prozent. Am 1. Mai 2003 kommt abermals eine Erhöhung um 3,2 Prozent. Auf diesen Kompromiss haben sich Unternehmensführung und Gewerkschaft Ver.di nach einem 35-stündigen Verhandlungsmarathon verständigt.

Beide Seiten werteten die Einigung als "tragfähigen Kompromiss" und bewerteten die Einkommenserhöhungen über die Gesamtlaufzeit mit 3,29 Prozent. Bei einer Laufzeit von zwei Jahren sind darin auch zwei so genannte Leermonate enthalten, in denen die Einkommen unverändert bleiben. Nur die Lehrlinge erhalten für Mai und Juni 2002 eine Sonderzahlung.

"Gerade noch tragbar"

Telekom-Personalvorstand Heinz Klinkhammer sagte, der Tarifabschluss sei vom Volumen "gerade noch tragbar" für das Unternehmen. "Besonders der Einstieg in eine Personalservice-Agentur ist ein entscheidender Schritt zur Beschäftigungssicherung für die rund 125.000 Beschäftigten der Deutschen Telekom." Dadurch solle der konzerninterne Arbeitsmarkt transparenter gestaltet werden. "Wir haben tarifliche Grundlagen geschaffen, um Entlassungen zu vermeiden."

Ver.di-Verhandlungsführer Rüdiger Schulze bezeichnete den Abschluss als höchste Tarifeinigung der diesjährigen Verhandlungen in den verschiedenen Branchen. Er räumte aber ein, dass die Große Tarifkommission die Zustimmung nur mit knapper Mehrheit erteilt habe. Das Hauptziel, eine "vernünftig darstellbare Lohnerhöhung" zu erreichen, habe man aber geschafft. Schulze sagte, er wolle einseitigen Personalabbau in Ostdeutschland verhindern. (Reuters, Der Standard, Printausgabe,01.07.2002)

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