Brasilien vs. Deutschland

30. Juni 2002, 20:48
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Ronaldo (Zweifacher Torschütze im Finale): "Es ist eine ganz tolle Sache. Ich freue mich riesig, Torschützenkönig und Weltmeister geworden zu sein. Das ist einfach großartig. Mit meinem zweiten Tor habe ich die tolle Leistung der gesamten Mannschaft gekrönt. Den Sieg widme ich meiner Familie und dann natürlich auch all jenen, die in den letzten zweieinhalb Jahren auch zu mir gehalten haben, als ich schwer verletzt war."

Roberto Carlos: "Ich kann es kaum glauben, dass wir Weltmeister sind. Dieser Moment ist der fantastischste in meinem Leben. Der Sieg ist sehr wichtig für das brasilianische Volk. Es war kein leichtes Spiel, weil die Deutschen defensiv gespielt haben. Aber wir waren technisch besser und haben deshalb verdient gewonnen."

Marcos: "Ich bin sehr froh, dass alles vorbei ist und wir gewonnen haben."

Rivaldo: "Ich schätze, in Brasilien herrscht jetzt überschäumende Freude. Das Wichtigste war, dass wir eine Mannschaft mit viel Team-Spirit hatten. Ich habe heute meine normale Leistung gezeigt."

Cafu: "Ich denke, wir haben heute gut gekämpft. Aber noch wichtiger war, dass wir viel Freude am Spiel hatten. Ich habe jetzt zwei WM-Titel. Vielleicht ergibt sich ja noch die Gelegenheit, mit Pele gleichzuziehen, der drei Weltmeisterschaften gewonnen hat."

Rudi Völler (Teamchef Deutschland): "Wenn man ein Endspiel verliert, ist die Enttäuschung natürlich immer groß. Auch wenn man gegen so eine Klasse-Mannschaft wie Brasilien verliert, was sicher keine Schande ist, ist es bitter. Die Brasilianer waren bei dieser WM sicher die beste Mannschaft, auch wenn sie immer mal wieder kleinere Schwierigkeiten gehabt haben. Ihr Sieg geht aber in Ordnung. Für Olli Kahn gibt es von uns überhaupt keine Vorwürfe: Der Olli hat eine Traum-WM gespielt und Dinge gehalten, das war sensationell. Wenn ihm mal ein kleiner Fehler passiert, ist das bitter."

Luiz Felipe Scolari (Brasiliens Trainer): "Brasilien ist wieder zurück an der Spitze. Das ist das Resultat harter Arbeit. Die Leute daheim wissen, dass wir großartige Arbeit geleistet haben. In diesem Spiel haben wir uns den zwischenzeitlich verloren gegangenen Respekt zurückgeholt. Wir hatten die positive Energie und den Siegeswillen, den man in einem Finale braucht. Die Deutschen haben gespielt wie wir es erwartet haben. Der Unterschied zwischen beiden Teams liegt in der individuellen Klasse der Spieler. Da haben wir Vorteile und deshalb verdient gewonnen."

Oliver Kahn: "Es ist bitter, wenn man im Finale einen Fehler macht - der einzige Fehler im Turnier ist bestraft worden. Das ist zehnfach bitter. Dafür gibt es keinen Trost. Es muss einfach weitergehen. Die Mannschaft wird sich bis 2006 verändern. Es werden Spieler dazukommen, andere aufhören. Jedes Turnier hat seinen eigenen Charakter und auch jede Mannschaft. Unsere Mannschaft hatte einen besonderen Charakter."

Bernd Schneider: "Es hat nicht ganz gereicht, weil wir heute vielleicht zu gut gespielt, aber kein Tor erzielt haben. Uns hat heute das Quäntchen Glück gefehlt, das wir in den anderen Spielen in den entscheidenden Momenten hatten. Wie es in mir aussieht, ist Privatsache, aber eins ist ganz sicher: Nicht gut."

Christoph Metzelder: "Glückwunsch an die Brasilianer! Wir können uns keinen Vorwurf machen. Es hat nicht sollen sein. Ab morgen gibt es nur noch ein Ziel: Die WM in Deutschland 2006. Man geht am Pokal vorbei und darf ihn nicht mitnehmen. Das ist einfach traurig."

Marco Bode: "Brasilien ist letztlich verdient Weltmeister geworden. Wir haben aber heute eine gute Leistung gezeigt. Trotz der Niederlage sind wir ein wenig stolz. Oliver Kahn hat ein ganz tolles Turnier gespielt. Er muss nicht getröstet werden."

Franz Beckenbauer: "Ich denke wir haben ein gutes Spiel gesehen. Vor allem in der zweiten Halbzeit, da tobte das Spiel rüber und 'nüber. Wer immer das Tor gemacht hätte, wäre als Sieger von Platz gegangen. Dann kamen die Doppelschläge von Ronaldo. Solche Leute kannst du nie 90 Minuten lang ausschalten. Der Fehler von Oliver Kahn hat mich sofort an 1986 im Finale von Toni Schumacher erinnert. Man wird nie an Oliver Kahn herankommen, er ist introvertiert, der nur draußen auf dem Platz explodiert. Der Erfolg der Deutschen hat große Auswirkungen auf alles. Auf die Bundesliga, auf die Weltmeisterschaft 2006."

Klaus Augenthaler (Fußball-Weltmeister 1990, Ex-GAK-Coach, Trainer 1. FC Nürnberg): "Ich sehe das nüchtern. Man darf nicht vergessen, dass die Vorbereitung auf die WM schlecht gelaufen ist und dass der Mannschaft niemand etwas zugetraut hat. Brasilien ist verdient die Nummer eins. Sicherlich ist Kahns Fehler tragisch, aber er war trotzdem zu Recht bester Torhüter des Turniers. Ich hatte eigentlich aber schon gedacht, dass nach dem 0:1 noch der Ausgleich möglich war."

Gerhard Schröder (Deutschlands Bundeskanzler): "Ich bin nicht enttäuscht. Es war ein großes Spiel einer fantastischen Mannschaft. Natürlich ist auch ein bisschen Wehmut dabei, es hätte auch klappen können. Bei der WM 2006 können wir uns noch steigern."

Hans Krankl (ÖFB-Teamchef): "Es war ein würdiges Finale mit einem würdigen Weltmeister. Ich habe geglaubt und gehofft, dass Brasilien Weltmeister wird. Ich freue mich, dass eine Mannschaft gewonnen hat, die den technischen Fußball forciert hat. Das ist für den Fußball wichtig. Man hat aber auch gesehen, dass man mit Laufarbeit, Disziplin, Kampfkraft viel erreichen kann. Ronaldo ist mit Abstand der Superstar der WM. Er hatte so viele Verletzungen, ist noch immer nicht 100 Prozent fit und hat trotzdem so viele Tore gemacht."

Kurt Jara (HSV-Trainer): "Die individuelle Klasse hat entschieden. Kahn darf man an diesem Fehler nicht aufhängen. Ohne ihn wäre die Mannschaft nicht bis ins Finale gekommen."

Ivica Osim (Trainer Sturm Graz): "Brasilien hat verdient gewonnen und ist ein würdiger Weltmeister. Hut ab aber vor den Deutschen. Sie haben das Beste gezeigt, was sie derzeit spielen können. Dieses Match hat aber auch gezeigt, wie grausam das Leben sein kann. Ausgerechnet Oliver Kahn, der Deutschland mit einer souveränen Leistung so weit gebracht hat, passiert im Finale ein entscheidender Fehler. Auf der anderen Seite wird Ronaldo Schützenkönig, von dem man lange nicht gewusst hat, ob er je wieder spielen kann."

Lars Söndergaard (Salzburg-Trainer): "Die individuelle und technische Qualität der Brasilianer war besser als die der Deutschen. Erste Hälfte war das Spiel relativ ausgeglichen, es war eine jener Partien bei denen das erste Tor entscheidet. Es war ein sehr verdienter Titel. Ronaldo war einer der überragenden Spieler. Auch wenn Kahn im Finale einen schweren Fehler gemacht hat, war er verantwortlich dafür, dass Deutschland so weit gekommen ist. Er hat eine Super-WM gemacht." (APA)

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