Das Ende der Anonymität

30. Juni 2002, 15:07
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Ab Montag heißt es Ausweis mitnehmen, wenn's um Trankaktionen am eigenen Sparkonto geht

Wien - Das Ende der anonymen Sparbücher ist da. Wer sein Sparbuch gegenüber der Bank bisher noch nicht offiziell offen gelegt hat, sollte ab Montag, auf jeden Fall seinen Ausweis dabei haben, wenn er Geld abheben oder einlegen will.

Schon seit 1. November 2000 musste bei der Eröffnung neuer Sparkonten der Ausweis gezückt werden. Bis Ende Juni nun konnten Sparbuchinhaber noch Geld vom Sparbuch abheben, ohne sich zu identifizieren. Damit ist es jetzt vorbei. Wer sein Sparbüchl bisher noch nicht legitimieren ließ, muss der Bank ab Montag sowohl vor der Einzahlung als auch Abhebung einen amtlichen Lichtbildausweis vorlegen. Allerdings nur ein einziges Mal.

Schrittweise Verabschiedung

Österreich hat sich schrittweise von der Praxis der Anonym-Sparbücher verabschiedet. Am 1. Juli 2002 endet eine insgesamt eineinhalbjährige Übergangsfrist. Bis dahin musste die Sparbuchanonymität in Österreich ihr Ende haben, das hatte die Bundesregierung den internationalen Kritikern dieses "Austriacums" - allen voran der OECD-Task Force zum Kampf gegen die Geldwäsche (FATF) - zusagen müssen.

Ende Juni lief auch die zuletzt noch gewährte "Eisberglösung" für Wertpapierkonten aus, die es bisher erlaubte, Abschmelzungen von bestehenden Wertpapierkonten ohne Identifikation durchzuführen. Sparbuch-Schenkungen bleiben noch bis Jahresende steuerfrei.

Nur Unbewegte bleiben anonym

Nach Schätzungen der Banken waren zuletzt rund 75 bis 80 Prozent der Sparbucheinlagen identifiziert. Bei Sparbüchern mit mehr als 15.000 Euro Guthaben - für sie gelten strengere Bestimmungen - lag "Legitimierungsquote" mit etwa 90 Prozent schon deutlich höher. In Österreich gibt es knapp 25 Millionen Sparbücher. Inländische private Haushalte und nichtfinanzielle Unternehmen hatten per Ende April 2002 insgesamt 124,5 Mrd. Euro auf Sparkonten liegen. Bleibt ein Sparbuch "unbewegt", wird also weder darauf eingezahlt noch abgehoben, bleibt es de facto weiter "anonym". Verlängerungen von Bindungsfristen sind dabei freilich nicht mehr möglich.

Für kleine Sparer ändert sich recht wenig. Abhebungen von bereits deklarierten Sparbüchern bis zu 15.000 Euro sind auch nach dem 1. Juli mit Losungswort möglich. Über Namenssparbücher und Sparbücher über 15.000 Euro Guthaben durfte schon bisher nur der identifizierte Kunde verfügen. Wer ab nächster Woche 15.000 Euro oder mehr von einem bisher noch nicht legitimierten Sparbuch abheben will, muss wahrscheinlich ein paar Tage warten, bis das Geld ausbezahlt wird. Die Bank muss bei Auszahlungsanträgen von bisher "unbewegten" Sparbüchern ab dieser Summe zuvor eine Routinemeldung an die EDOK machen. In der Geldwäschebehörde im Innenministerium wird dann untersucht, ob ein Verdacht auf Geldwäsche vorliegt. (APA)

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