Europaforum in Göttweig: Referate von Lipponen und Schüssel

30. Juni 2002, 11:14
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Pröll forderte "Dialog für gemeinsames Europa"

Göttweig - Referate des finnischen Ministerpräsident Paavo Lipponen zum Leitthema "Regionale Zusammenarbeit - Baustein eines vereinten Europa" und des österreichischen Bundeskanzlers Wolfgang Schüssel stehen am Sonntag im Mittelpunkt des zweiten Tages des achten Europaforums Wachau in Stift Göttweig. Am Samstag hatte NÖ-Landeshauptmann Erwin Pröll den "Dialog als das Nonplusultra auf dem Weg zu einem gemeinsamen Europa" bezeichnet. Außenministerin Benita Ferrero-Waldner war mit dem neuen ungarischen Außenminister Laszlo Kovacs zu einem Gespräch zusammengetroffen.

"Wer auf dem Weg zu einem größeren Europa nicht bereit oder in der Lage ist, mit dem Nachbarn zu reden oder zu verhandeln, ist nicht reif für dieses Europa. Jemand, der diesen Dialog nicht führt, baut wieder Grenzen auf, baut Misstrauen auf und baut Vertrauen ab", hatte Pröll an die "Adresse der Nachbarn, Brüssel und mancher bei uns zu Hause" appelliert. "Jeder Schritt, der jetzt in Europa gesetzt wird, kann über Erfolg und Fortschritt oder Misserfolg und Rückschritt entscheiden".

"Nie ein Einheitsbrei"

Europa dürfe nie ein Einheitsbrei werden, denn dadurch würde die Identifikation und damit die Attraktivität schwinden. Ziel müsse es sein, ein Europa der Vielfalt zu schaffen, um Europa spannend zu halten und die Identität in der Kultur, der Sprache und der Lebensart sicher zu stellen. Es gelte nun gemeinsam mit "Mut und Ehrlichkeit" die vorhandenen Stolpersteine zu einem gemeinsamen Europa aus dem Weg zu räumen. Dazu müsse man aufeinander zu - und den Weg gemeinsam gehen. Nur so könne man einem Sprichwort gerecht werden. "Einzeln sind wir Worte, gemeinsam sind wir ein Gedicht. Europa darf nicht ein Wort bleiben, Europa muss ein Gedicht werden."

Ferrero-Waldner erklärte bei einem Treffen mit dem ungarischen Außenminister Kovasc, Ungarn und Österreich hätten "ähnliche Vorstellungen über die Zukunft Europas und die Rolle des Konsenses." Kovacs ist Gründungsmitglied der Sozialistischen Partei (MSZP) von Ministerpräsident Peter Medgyessy. Das neue Kabinett, dem elf von den Sozialisten und vier von den Liberalen entsandte Minister angehören, hatte die Regierung des Konservativen Viktor Orban abgelöst, dessen Bund Junger Demokraten (FIDESZ) bei den Parlamentswahlen im April knapp gegen das sozialistisch-liberale Bündnis unterlegen war. Es war das erste gespräch zwischen Kovacs und Ferrero-Waldner. Tschechien forderte die Außenministerin im Zusammenhang mit der EU-Osterweiterung auf, die umstrittenen Benes-Dekrete zu überdenken. (APA)

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