Kritik an hohen Manager-Gehältern in Deutschland zeigt Wirkung

30. Juni 2002, 10:58
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HVB-Vorstand zu Gehaltsverzicht bereit - Und Telekom-Chef hat auf Aktienoptionen verzichtet

Frankfurt/Berlin - Die massive Kritik an der Einkommenshöhe deutscher Spitzenmanager zeigt offenbar Wirkung: Telekom-Chef Ron Sommer sagte dem "Tagesspiegel", der Verzicht auf Aktienoptionen der Telekom-Führungsriege sei zu spät gekommen. "Die Wahrheit ist, dass wir auf einen wesentlichen Teil unseres Einkommens verzichtet haben. Wir machen uns natürlich den Vorwurf, dass wir das schneller und früher hätten entscheiden können."

Der Vorstand des deutschen Telekommunikationsunternehmens hatte auf seine Aktienoptionen für 2002 verzichtet, nachdem es auf der Hauptversammlung der Telekom massive Kritik an der Erhöhung der Vorstandsgehälter im vergangenen Jahr gehagelt hatte.

Ron Sommer: Nichts gegen Veröffentlichung der Gehälter

Sommer betonte in dem Zeitungsinterview nun auch, wenn es einen Konsens unter den Unternehmen des Deutschen Aktienindexes gebe, die Vorstandsgehälter einzeln zu veröffentlichen, wolle die Telekom dabei sein. "Ich glaube, dass wir in Deutschland dahin kommen werden und ich persönlich habe auch kein Problem damit." Allerdings wolle der Telekommunikationskonzern nicht zu den ersten gehören, die die Gehälter einzeln veröffentlichen.

Unterdessen sagte HypoVereinsbank-Chef Albrecht Schmidt der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" der Vorstand der Bank könne nur noch mit um 30 Prozent gesunkenen Gehältern rechnen. Als Ursache nannte Schmidt nach Angaben des Blattes die schwachen Aktienkurse. "Unsere Vergütung hängt überwiegend von persönlicher Leistung und Aktienperformance, gemessen an europäischen Konkurrenten, ab. Wenn unsere Aktie schwach ist, dann ist der Schmerz unmittelbar", erklärte er.

"Gesellschaftliches Ärgernis"

Der deutsche Bundespräsident Johannes Rau schaltete sich via "Bild am Sonntag" in die Debatte ein und appellierte an sozialverantwortliches Unternehmertum. Die Verdoppelung der Einkünfte innerhalb eines Jahres "wäre für manchen sogar ein Rückschritt. Einige Vorstände haben ihre Gehälter sogar vervielfacht. Das ist ein gesellschaftliches Ärgernis".

Rau kritisierte weiter: "Die Unternehmer, die das tun, haben leider dem Satz 'Böse Beispiele verderben gute Sitten' Nachdruck verliehen." Es gebe in Deutschland eine gute Tradition sozialverantwortlichen Unternehmertums, diese Unternehmer sähe er "gerne gestärkt", sagte der SPD-Politiker. (APA)

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