Nordirland: Jugendliche überfallen Polizeistation

30. Juni 2002, 22:05
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Trimble fordert Gesräch mit Blair nach neuen Unruhen

Belfast - Nach einem Angriff katholischer Jugendlicher auf eine Polizeistation in Nordirland hat der protestantische Chef der Regionalregierung, David Trimble, den britischen Premierminister Tony Blair zum Handeln aufgefordert. Trimble sagte am Sonntag, er halte ein Gespräch von Blair, dem irischen Regierungschef Bertie Ahern und Befürwortern des Friedensabkommens von 1998 am kommenden Donnerstag für "Blairs letzte Chance, die Lage unter Kontrolle zu bekommen".

Unmittelbar zuvor hatte eine Gruppe von 40 bis 50 republikanischen Jugendlichen die Polizeistation des Ortes Rosslea (Grafschaft Fermanagh) mit Steinen, Flaschen und anderen Wurfgeschossen angegriffen. Verletzt wurde niemand. Auch in Belfast war es zu Auseinandersetzungen zwischen Polizisten und rund 300 Republikanern gekommen, nachdem die Polizisten einen Triumphmarsch des pro-britischen, protestantischen Oranier-Ordens durch eine "katholische" Straße geschützt hatten. Die Polizei setzte Wasserwerfer ein und meldete sechs leicht verletzte Beamte.

"Es ist klar - und führende Polizisten haben das gesagt - dass die Gewalt von den paramilitärischen Extremisten auf beiden Seiten organisiert worden ist, vor allem aber von den Republikanern, sagte Trimble, der auch Vorsitzender der größten Unionisten-Partei UUP ist. "Es gibt eine sehr ernste Zunahme der Gewalt und bisher überhaupt keine wirksame Reaktion der (Londoner) Regierung darauf. Der Zeitpunkt naht, zu dem die britische Regierung wirklich etwas gegen die republikanische Gewalt auf unseren Straßen tun muss - und zwar dadurch, dass sie Sinn Fein angeht."

Der Präsident der republikanischen Sinn Fein-Partei, Gerry Adams, wies einseitige Schuldzuweisungen zurück und versicherte, er werde sich persönlich bei den republikanischen Extremisten für ein Ende der Gewalt einsetzen. In der Nacht zum Sonntag waren zwei 15 Jahre alten Jungen die Kniescheiben durchschossen worden - eine häufige "Strafaktion" in der Auseinandersetzung zwischen extremistischen Katholiken und Protestanten. (APA/dpa)

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