Bushs Darm wurde gespiegelt

29. Juni 2002, 18:31
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Cheney für drei Stunden Präsident - Routine-Untersuchung am US-Präsidenten

Washington - US-Präsident George W. Bush hat sich am Samstag einer Darmspiegelung unterzogen und in dieser Zeit die Amtsgeschäfte seinem Vizepräsidenten Dick Cheney übertragen. Die Untersuchung, zu der Bush eine leichte Anästhesie bekam, habe keinerlei Hinweise auf krankhafte Veränderungen gegeben, teilte das Weiße Haus mit.

Die Untersuchung begann kurz nach 7.00 Uhr Ortszeit (13.00 Uhr MESZ) und dauerte knapp eine halbe Stunde. Der Präsident sei etwa 20 Minuten ohne Bewusstsein gewesen und um 7.31 Uhr wieder aufgewacht, hieß es in der Erklärung des Weißen Hauses. Um 9.24 Uhr übernahm Bush von Cheney dann wieder die Amtsgeschäfte.

Vorsicht

Der Präsident hatte sich trotz der kurzen Zeit, in der er nicht ansprechbar war, entschlossen, die Amtsgeschäfte an Cheney zu übertragen. Er mache dies aus übergroßer Vorsicht, weil sich das Land im Krieg gegen den internationalen Terrorismus befinde, hatte er dies begründet.

Die Möglichkeit einer Amtsübergabe war durch den Verfassungszusatz 25 im Jahr 1967 geschaffen, aber bisher kaum genutzt worden. Als Präsident Ronald Reagan 1981 nach dem Anschlag von John Hinckley eine Kugel aus der Lunge entfernt wurde, gab es keine Amtsübergabe. Das einzige Mal war bisher 1985, als Reagan am Darm operiert wurde. Damals übernahm der damalige Vizepräsident George Bush, der Vater des jetzigen Präsidenten, die Amtsgeschäfte.

Die Amtsübergabe ist genau geregelt. Wäre Cheney, der bereits mehrfach Herzprobleme hatte, auch handlungsunfähig geworden, wäre die Macht kurzfristig an den dritten in der Rangfolge, den Präsidenten des Abgeordnetenhauses, Dennis Hastert, übergegangen.

Bush scherzte bei der Bekanntgabe der Untersuchung: "Ihm (Cheney) ist klar, dass er nicht lange Präsident sein wird." Die Untersuchung sei nötig geworden, nachdem einige "gutartige Polypen" beim letzten Mal festgestellt worden seien, sagte Bush, der kommende Woche 56 Jahre alt wird. Es gebe aber keinerlei Probleme. Während des Wahlkampfs hatte Bush bekannt gegeben, dass ihm zwei gutartige Polypen aus dem Darm entfernt worden seien.

Bushs Arzt Richard Tubb betonte den Routinecharakter der Untersuchung. Jeder Mensch über 50 Jahre sollte sich einer solchen Untersuchung unterziehen, betonte der Arzt. Im Jahr 2000 seien in den USA 4,3 Millionen Darmspiegelungen gemacht worden. Während des Eingriffs wurde Bush mit dem Medikament Propofol sediert. Der Patient wird damit in Schlaf versetzt. (APA/dpa)

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