Bush: Freies Unternehmertum besudelt

30. Juni 2002, 20:32
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US-Präsident verurteilt unmoralische Firmen - Auch Disney gibt Bilanzfehler zu - Buchprüfungsfirmen bangen um ihren Ruf

Washington/Los Angeles/Zürich - Enron, WorldCom, Xerox und nun auch noch Disney: Die Reihe der Skandale um fehlerhafte Bilanzen bei US-Unternehmen reißt nicht ab. US-Präsident George W. Bush kündigte am Wochenende an, die Regierung werde die Verantwortlichen im Sinne der Investoren und Beschäftigten zur Rechenschaft ziehen. Damit solle das Vertrauen in Amerikas Wirtschaft aufrechterhalten werden.

Bush nannte die amerikanischen Buchhaltungsskandale zutiefst beunruhigend und erklärte, seine Regierung werde nicht zulassen, dass eine unmoralische Minderheit in den Firmen "das gesamte freie Unternehmertum besudelt". Umfragen zufolge trifft der Skandal auch den Präsidenten und die republikanische Regierung.

"Mathematischer Fehler verantwortlich"

Zu Walt Disney teilte die US-Börsenaufsicht SEC am Wochenende mit, Korrekturen für das erste und zweite Quartal hätten keine Auswirkungen auf den ausgewiesenen Netto-Gewinn oder den Rechnungsabschluss. Das Unternehmen machte einen mathematischen Fehler für die falschen Angaben verantwortlich.

Der Unterhaltungskonzern hatte in seinem Jahresbericht 2001 nach eigenen Angaben verfrüht eine neue Buchführungsregel berücksichtigt. Danach müssen Unternehmen Verluste bei so genannten Goodwill-Amortisationen aufzeigen, das heißt, die Differenz zwischen dem gezahlten Preis für eine Investition und dem heutigen tatsächlichen Wert.

Goodwill-Effekt nicht angerechnet

Disney erklärte, es habe den Goodwill-Effekt auf seine Internet-Sparte nicht angerechnet. So gab der Konzern für das erste Quartal des laufenden Geschäftsjahres seine Gewinne mit 440 Mill. Dollar oder 21 Cent pro Aktie an. In der korrigierten Bilanz hieß es nun, die Gewinne hätten tatsächlich 565 Mill. Dollar oder 27 Cent pro Aktie betragen.

US-Präsident Bush kritisierte die jüngsten Vorfälle um falsche Bilanzen erneut scharf und bezeichnete sie als einen Missbrauch des öffentlichen Vertrauens. Bush forderte in seiner wöchentlichen Radio-Ansprache am Samstag Vorschriften und Gesetze, mit denen das Vertrauen in die Integrität der US-Geschäftswelt wieder hergestellt werden könne.

Top-Manager sollten Gewinne wieder verlieren, die sie aus falschen Geschäftszahlen erhielten, sagte Bush. Die unmoralischen Aktionen einzelner sollten aber nicht das gesamte freie Unternehmertum in Frage stellen.

Buchprüfungsfirmen fürchten um ihren Ruf

Weltweit fürchten Buchprüfungsfirmen nach den Skandalen um ihren Ruf. In einem Interview mit der Zeitung "Finanz und Wirtschaft" vom Samstag reagierten die Chefs von Ernst & Young Schweiz und Arthur Andersen Schweiz, Marcel Maglock und Peter Athanas, auf die zunehemende Kritk.

Laut Athanas handelt es sich bei allen Skandalen der letzten Zeit um Konzerne, welche in der New-Economy-Blase groß geworden seien. In dieser Zeit sei bei einer ganzen Managergeneration ein Wertverlust entstanden.(APA/AP/Reuters/sda)

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