Argentinien will Geldpolitik nicht ändern

29. Juni 2002, 22:37
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Demnächst IWF-Delegation nach Buenos Aires

Buenos Aires - Trotz der Forderungen des Internationalen Währungsfonds (IWF) nach einem geldpolitischen Anker will Argentiniens Wirtschaftsminister Roberto Lavagna den eingeschlagenen Kurs in der Geld- und Kreditpolitik beibehalten.

"Es wird keine Änderungen geben", sagte Lavagna am Samstag in einem Interview des argentinischen Rundfunks. Niemand könne sicher sein, dass ein geldpolitisches Programm einem anderen überlegen sei. "Der Fonds hat akzeptiert, dass wir mit unserem Plan fortfahren", fügte er hinzu. Nach zweitägigen Gesprächen mit dem IWF in Washington hatte Lavagna am Vortag angekündigt, der IWF werde in der kommenden Woche eine Delegation nach Buenos Aires schicken. Nach den Worten von IWF-Chef Horst Köhler hat Argentinien noch nicht alle Voraussetzungen für die Gewährung neuer Kredite erfüllt.

Hyperinflation

In einer Erklärung des Fonds hieß es, die rechtlichen Fragen im Zusammenhang mit dem Gesetz zur Wirtschaftskriminalität und der Reform des argentinischen Konkursrechtes seien geklärt. Allerdings stehe noch immer der Abschluss des Haushaltsrahmens und die Schaffung eines geldpolitischen Ankers aus, durch den die Entstehung einer Hyperinflation verhindert werden solle.

Argentinien bemüht sich seit langem um neue Verhandlungen über ein Programm, aus dem das Land weitere Hilfen des Fonds bekommen könnte. Lavagna hatte am Freitag erklärt, der IWF habe prinzipiell der Verlängerung eines Darlehens über 900 Millionen Dollar (rund 908 Millionen Euro) zugestimmt. Der Kredit wäre Mitte Juli fällig geworden. Die Entscheidung müsse noch durch die Geschäftsführung des Fonds bestätigt werden.

Argentinien steckt seit mehr als vier Jahren in einer tiefen Rezession. Nachdem die nach Brasilien und Mexiko drittgrößte Volkswirtschaft Lateinamerikas im Dezember 2001 die Zins- und Tilgungszahlungen auf die Staatsschulden von rund 140 Milliarden Dollar eingestellt hatte, blockierte der IWF die Freigabe weiterer Kredittranchen aus einem bestehenden Programm im Volumen von 22 Milliarden Dollar. (APA/Reuters)

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