Tarifeinigung bei der deutschen Telekom

29. Juni 2002, 20:54
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Die Einkommen der knapp 130.000 Telekom-Beschäftigten steigen am 1. Juli um 4,1 Prozent

Der Tarifkonflikt bei der Deutschen Telekom ist beigelegt. Die Einkommen der knapp 130.000 Telekom-Beschäftigten steigen am 1. Juli um 4,1 Prozent. Am 1. Mai 2003 kommt dann nochmals eine Erhöhung von 3,2 Prozent hinzu. Auf diesen Kompromiss haben sich Unternehmensführung und Gewerkschaft Ver.di nach einem 35-stündigen Verhandlungsmarathon am frühen Samstagmorgen in Berlin verständigt.

"Tragfähiger Kompromiss"

Beide Seiten werteten die Einigung als "tragfähigen Kompromiss". Die Große Tarifkommission der Gewerkschaft stimmte allerdings nur mit knapper Mehrheit zu. Das Gesamtvolumen des Abschlusses beträgt knapp 3,3 Prozent. Bei einer Laufzeit von zwei Jahren sind darin auch zwei so genannte Leermonate enthalten, in denen die Einkommen unverändert bleiben. Nur die Auszubildenden erhalten für Mai und Juni 2002 eine Sonderzahlung.

Ver.di war mit der Forderung nach 6,5 Prozent mehr Lohn und Gehalt in die Verhandlung gegangen. Die Telekom bot zunächst eine zweistufige Erhöhung von 3,8 und 3,0 Prozent an. Nach Angaben beider Seiten ist die erzielte Einigung der bisher höchste Abschluss der Tarifrunde 2002.

Neue Beschäftigungsagentur

Zugleich wurde die Gründung einer eigenen Beschäftigungsagentur für die Telekom vereinbart. Damit sollen Beschäftigte, deren Tätigkeitsbereiche sich verändern, für "neue Aufgaben inner- und außerhalb des Konzerns qualifiziert" werden. Auf diese Weise könnten Entlassungen vermieden werden, sagte Telekom-Personalvorstand Heinz Klinkhammer.

Weitere 22.000 Stellen siollen abgebaut werden

Bis Ende 2004 will der Konzern nochmals rund 22.000 Stellen abbauen. In den vergangenen zehn Jahren war der einstige Staatsbetrieb bereits um 100.000 Mitarbeiter kleiner geworden.

Ausbildungsplätze schaffen

Ferner sagte die Telekom zu, auch im kommenden Jahr 4000 Ausbildungsplätze zu schaffen. Alle derzeitigen Lehrlinge bekamen die Garantie, nach dem Ende der Ausbildung zumindest zwölf Monate übernommen zu werden. Mindestens jeder zweite Auszubildende bekommt auch einen dauerhaften Arbeitsplatz. Bisher waren alle Lehrlinge übernommen worden.

Klinkhammer sprach von einem "Abschluss, der für das Unternehmen gerade noch tragbar ist". Die Vereinbarung zur Beschäftigungsagentur seien "Grundlage dafür, dass wir Entlassung vermeiden können". Ver.di-Verhandlungsführer Rüdiger Schulze betonte, dass sich die Gewerkschaft mit der Zustimmung schwer getan habe. "Wir müssen uns aber der Realität stellen, dass eine bestimmte Zahl von Beschäftigten zu viel an Bord ist." (APA/dpa)

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