Finale im Prozess um junge Strychnin-Opfer

28. Juni 2002, 20:33
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Nach Gutachterwoche begannen Beratungen

Linz - Nach einer Woche der Gutachten ging am Freitag der Strychnin-Prozess um den Tod zweier Perger Jugendlicher im vergangenen Sommer in die Endphase. Am Vormittag zogen sich die Geschworenen zur Beratung zurück, um über das Schicksal der drei Angeklagten zu entscheiden. Dem 23-Jährigen drohten lebenslange Haft, den beiden zur Tatzeit 15-Jährigen bis zu zehn Jahren Gefängnis. Urteile wurden nach Redaktionsschluss erwartet.

Die Laienrichter mussten zwischen zwei Versionen wählen. Das 13-jährige Mädchen sei am Strychnin gestorben, das ihr die Angeklagten gegeben hatten, obwohl sie von der Gefahr wussten, war die Staatsanwältin überzeugt. Der 16-jährige Dominik sei von zwei der Angeklagten in der Naarn ertränkt worden. Daher sah die Staatsanwältin zweifachen Mord.

Für die Verteidigung war es dagegen ein Drogenunfall. Die Beschuldigten hätten nicht gewusst, dass die Dosis tödlich sei. Moralisch verwerflich, handle es sich strafrechtlich nur um tödliche Körperverletzung. Zum Tod von Dominik variierten die Angaben. Während der 23-Jährige die Tat gestanden hat, leugnete der 16-Jährige. Auch die Sachverständigen konnten kein klares Bild liefern.

Erklärungen für das Vorgefallene versuchte der Jugendpsychiater Max Friedrich zu liefern. Die beiden 16-Jährigen hätten keine Vaterfigur gehabt, der 23-Jährige habe Autorität vermittelt, so seine Ansicht. Es lägen aber keine seelischen Störungen vor. (moe/DER STANDARD, Printausgabe 29./30.06.2002)

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