Suche nach Sprachtalenten

28. Juni 2002, 20:30
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In zwei Wiener Volksschulen werden Ostsprachen gelehrt

Wien - Man müsste annehmen, dass die Europäische Volksschule im 15. Wiener Gemeindebezirk sich vor Schüleransturm kaum retten kann. Werden doch in ihren Klassen jene Sprachen gelehrt, die angesichts der EU-Osterweiterung als zukunftsträchtig gelten: Ungarisch, Tschechisch und Slowakisch, dazu können die Schulkinder aus Türkisch, Kroatisch und Serbisch wählen. Englisch steht sowieso im Lehrplan.

Aber Direktorin Edith Fritsch kämpft mit sinkenden Schülerzahlen, die Klassenzahl wurde von 13 auf heuer zehn reduziert. Der Grund: geburtenschwache Jahrgänge. Die Schülerzahlen, befürchtet Fritsch, werden weiter sinken.

Werben um Schüler

In der benachbarten Leopold-Zechner-Schule, ebenfalls Schwerpunkt Ostsprachen, teilt Direktorin Elfriede Frieser die Sorge. Sie versucht es mit PR: "Wir schreiben Artikel für Bezirksblätter oder Feuerwehrmagazine", um das Sprachangebot bei Eltern bekannt zu machen. Und Wirtschaftsvertreter wird sie einladen, um auf die Kenntnisse der Jüngsten hinzuweisen.

Die beiden Schulen sind die einzigen beiden in Wien, in denen - auf freiwilliger Basis - Volksschüler Ostsprachen schon früh lernen können. Danach können die Burschen und Mädchen die European Middle School besuchen.

Ursprünglich wurden die Sprachenschwerpunkte angesichts der hohen Zuwanderung aus Bosnien, Serbien oder der Türkei nach Wien eingerichtet. Der Unterricht wird von einem Lehrerteam gestaltet, das bedeutet der oder die Klassenlehrerin und zusätzlich eine Lehrperson mit jeweils ausländischer Muttersprache unterrichten. "Englischlehrer werden in allen Gegenständen beigezogen, dann heißt es eben im Turnunterricht einmal ,Leiberl ausziehen', ein andermal ,Take your t-shirts off', erzählt Waltraut Antonov, deren beide Töchter in die Europäische Volksschule gehen.

Die Hälfte der rund 570 Schüler und Schülerinnen in den beiden Schulen stammt aus bilingualen Familien. Das Ziel der Schulleitung ist es auch, dass neben Deutsch auch die fremde Muttersprache korrekt in Grammatik und Rechtschreibung gelehrt wird. (Andrea Waldbrunner/DER standardintausgabe 29./30.06.2002)

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